K. S./P.
Herrn
Joirs les Paines
Lieber Herr Schönberg!
Vielen herzlichen Dank für Ihren Brief und die Sendung
der „Artrud“. Wir haben sehr darüber gelacht. Könnte diese Zeit-
schrift nicht als Beilage zu „Pult und Taktstock“ erscheinen?
Ueber Ihre Orchester-Variationen möchte ich Sie sehr
gerne interviewen. Nur ist das auf diese Entfernung nicht ganz
leicht. Da nun zufällig Herr Jens Qu. auch gerade an der Rivera
weilt, habe ich daran gedacht, ihn mit dieser Mission zu betrauen
und schreibe ihm deswegen „gleichzeitig“. Hoffentlich wird er
meine Bitte erfüllen und ich bitte auch Sie, sich deswegen bei
ihm zu verwenden.
Manche Fragen könnte ich ja schliesslich stellen, wie:
„Es ist auffallend, dass Sie so lange nichts für Orchester ge-
schrieben hatten. Lagen die Gründe dafür in der „Komposition mit
12 Tönen“ und wenn ja, wodurch ergab sich die Möglichkeit wieder
für Orchester zu schreiben?“ [„]Hat Ihr Orchester die übliche Be-
setzung?“ „Sie haben schwerlich im Orchestersatz auf Verdoppelungen
verzichten können, schon bei den Streichern nicht. Ermöglicht Ihre

Kompositionstechnik solche Verdoppelungen.“ Ich vermute aber, dass es auf
dieses Werk noch richtigere, erstauntere Fragen geben wird und
auch Fragen, die interessantere Antworten ermöglichen. Jens Qu.
wird das vielleicht besser verstehen.
Dass in „Pult und Taktstock“ jetzt etwas über Ihr neues Werk
erscheint, halte ich für unbedingt notwendig. Ich bitte Sie des-
halb recht sehr, womöglich gleich, ein paar Zeilen, oder lieber
recht viele, darüber zu schreiben. Da es ja als Interview1, nicht
von Ihnen gezeichnet, erscheinen würde, genügt es, wenn Sie das
Ganze nur skizzieren. Sehr gerne würde ich das Interview noch im
Oktoberheft veröffentlichen. Bitte lassen Sie mich wissen, ob dies
möglich sein wird.
Außerordentlich leid tut es mir, daß Sie diesmal nicht über Wien fahren wollen.
Von meiner Frau und mir Ihnen beiden2
viele herzlichste Grüße.
Stets Ihr

Stein

K. S./P.
Lieber Herr Schönberg!
Vielen herzlichen Dank für Ihren Brief und die Sendung der „Artrud“. Wir haben sehr darüber gelacht. Könnte diese Zeitschrift nicht als Beilage zu „Pult und Taktstock“ erscheinen?
Ueber Ihre Orchester-Variationen möchte ich Sie sehr gerne interviewen. Nur ist das auf diese Entfernung nicht ganz leicht. Da nun zufällig Herr Jens Qu. auch gerade an der Rivera weilt, habe ich daran gedacht, ihn mit dieser Mission zu betrauen und schreibe ihm deswegen „gleichzeitig“. Hoffentlich wird er meine Bitte erfüllen und ich bitte auch Sie, sich deswegen bei ihm zu verwenden.
Manche Fragen könnte ich ja schliesslich stellen, wie: „Es ist auffallend, dass Sie so lange nichts für Orchester geschrieben hatten. Lagen die Gründe dafür in der „Komposition mit 12 Tönen“ und wenn ja, wodurch ergab sich die Möglichkeit wieder für Orchester zu schreiben?“ „Hat Ihr Orchester die übliche Besetzung?“ „Sie haben schwerlich im Orchestersatz auf Verdoppelungen verzichten können, schon bei den Streichern nicht. Ermöglicht Ihre Kompositionstechnik solche Verdoppelungen.“ Ich vermute aber, dass es auf dieses Werk noch richtigere, erstauntere Fragen geben wird und auch Fragen, die interessantere Antworten ermöglichen. Jens Qu. wird das vielleicht besser verstehen.
Dass in „Pult und Taktstock“ jetzt etwas über Ihr neues Werk erscheint, halte ich für unbedingt notwendig. Ich bitte Sie deshalb recht sehr, womöglich gleich, ein paar Zeilen, oder lieber recht viele, darüber zu schreiben. Da es ja als Interview1, nicht von Ihnen gezeichnet, erscheinen würde, genügt es, wenn Sie das Ganze nur skizzieren. Sehr gerne würde ich das Interview noch im Oktoberheft veröffentlichen. Bitte lassen Sie mich wissen, ob dies möglich sein wird.
Außerordentlich leid tut es mir, daß Sie diesmal nicht über Wien fahren wollen.
Von meiner Frau und mir Ihnen beiden2 viele herzlichste Grüße. Stets Ihr
Stein

29. September 1928


Notizen zu Interview mit mir selbst am Seitenrand

The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 29. September 1928, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.16812.

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