Roquebrune Cap Martin
Frankreich
12.X.1928
Herrn Direktor Emil Herzka
Lieber Herr Direktor, ich bin sehr fleissig gewesen: die Bach
Partitur1 geht heute an Sie ab! Es ist ein ziemlich grosses Stück.
Ich möchte allerdings gerne selbst einige Engagements dafür be-
kommen; aber ich will nicht im Weg stehen: wenn einer meiner
wirklichen Freunde (die es aber nicht giebt) die Uraufführung2
haben will, so kann man darüber reden: aber z. B. Kleiber, Klem-
perer
und Walter und alle die anderen Affen der Sachlichkeit,
die nur ihnen, aber nicht mir eine „neue“ ist, zähle
ich nicht zu meinen Freunden. Bitte vielmals also: vergeben Sie
es nicht dem ersten Ueberläufer: wenn Sie allerdings andere heute
finden können!
Ich möchte nun gerne auch gleich über den Vorschuss von tausend
Mark verfügen und finde es am einfachsten, wenn die UE so freund-
lich sein wollte, die beiliegende Rechnung des Zahnarztes Dr.
Franz C. Krasa, Wien I. Ebendorferstrasse 10 im Betrage von
Sch. 338“64 Gr. auf dem kürzesten Wege zu begleichen (um eine
Schlamperei von mir gut zu machen) und den Rest auf mein
Konto Nr. 121.518 beim Postscheckamt BERLIN zu überweisen,
da ich dann gleichzeitig von hier darüber disponiere.
Bitte freundlichst, mir den Empfang der Partitur, von welcher es
keine Copie giebt, telegrafisch anzuzeigen!
Ich bleib nun nicht mehr lange hier. Ich arbeite noch etwas und
bin anfangs recht gut weiter gekommen, stecke aber jetzt schein-
bar hoffnungslos. Was aber nichts zu be[s]agen hat, da ich ganz im An-
fang bin.

Ich danke Ihnen noch sehr für Ihr letztes Telegramm und für
die telegrafische Empfangsbestät[t]igung über die letzte Partitur3!
Dagegen erwarte ich schon seit ein[e]igen Tagen die Partitur zurück.
Sie ist doch hoffentlich schon photographiert4 und an Furtwängler
geschickt! Die restlichen Vorbemerkungen5 sende ich demnächst.
Für diese Partitur muss ich eventuell neue schreiben.6
Ich möchte, dass auch hier keine transponieren
den
Instrumente
7 mehr vorkommen; das wäre also dementsprechend
durch den Stecher zu besorgen. Ob es aber nicht vielleicht das Beste
wäre (korrekturensparend) wenn ein sehr gewissenhafter Musiker
in die betreffenden Instrumental Zeilen durch 8....... und 8
8!...... Zeichen dem Stecher das Irren unmöglich machen würde!?!
Vielleicht äussert sich Herr Stein dazu und veranlasst es selbst!
Ich muss schliessen: viele herzliche Grüsse, wobei ich annehme, dass
Sie diesmal wirklich in Wien sind: Ihr
Roquebrune Cap Martin
Frankreich
12.X.1928
Herrn Direktor Emil Herzka
Lieber Herr Direktor, ich bin sehr fleissig gewesen: die Bach Partitur1 geht heute an Sie ab! Es ist ein ziemlich grosses Stück. Ich möchte allerdings gerne selbst einige Engagements dafür bekommen; aber ich will nicht im Weg stehen: wenn einer meiner wirklichen Freunde (die es aber nicht giebt) die Uraufführung2 haben will, so kann man darüber reden: aber z. B. Kleiber, Klemperer und Walter und alle die anderen Affen der Sachlichkeit, die nur ihnen, aber nicht mir eine „neue“ ist, zähle ich nicht zu meinen Freunden. Bitte vielmals also: vergeben Sie es nicht dem ersten Ueberläufer: wenn Sie allerdings andere heute finden können!
Ich möchte nun gerne auch gleich über den Vorschuss von tausend Mark verfügen und finde es am einfachsten, wenn die UE so freundlich sein wollte, die beiliegende Rechnung des Zahnarztes Dr. Franz C. Krasa, Wien I. Ebendorferstrasse 10 im Betrage von Sch. 338“64 Gr. auf dem kürzesten Wege zu begleichen (um eine Schlamperei von mir gut zu machen) und den Rest auf mein Konto Nr. 121.518 beim Postscheckamt BERLIN zu überweisen, da ich dann gleichzeitig von hier darüber disponiere.
Bitte freundlichst, mir den Empfang der Partitur, von welcher es keine Copie giebt, telegrafisch anzuzeigen!
Ich bleib nun nicht mehr lange hier. Ich arbeite noch etwas und bin anfangs recht gut weiter gekommen, stecke aber jetzt scheinbar hoffnungslos. Was aber nichts zu besagen hat, da ich ganz im Anfang bin.
Ich danke Ihnen noch sehr für Ihr letztes Telegramm und für die telegrafische Empfangsbestätigung über die letzte Partitur3! Dagegen erwarte ich schon seit einigen Tagen die Partitur zurück. Sie ist doch hoffentlich schon photographiert4 und an Furtwängler geschickt! Die restlichen Vorbemerkungen5 sende ich demnächst. Für diese Partitur muss ich eventuell neue schreiben.6
Ich möchte, dass auch hier keine transponierenden Instrumente7 mehr vorkommen; das wäre also dementsprechend durch den Stecher zu besorgen. Ob es aber nicht vielleicht das Beste wäre (korrekturensparend) wenn ein sehr gewissenhafter Musiker in die betreffenden Instrumental Zeilen durch 8....... und 8!...... Zeichen dem Stecher das Irren unmöglich machen würde!?! Vielleicht äussert sich Herr Stein dazu und veranlasst es selbst!
Ich muss schliessen: viele herzliche Grüsse, wobei ich annehme, dass Sie diesmal wirklich in Wien sind: Ihr
Arnold Schönberg

12. Oktober 1928

15. Oktober 1928

Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection



Brief

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 12. Oktober 1928, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.1509.

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