Dr. K./Wi.
Wien, 13. Juli 1933.
Herrn
Professor Arnold Schönberg,
Hotel Regina,
Paris
Sehr verehrter Herr Schönberg!
Besten Dank für Ihre Mitteilung vom 11. VII. Ich habe die
ganze Zeit auf eine Nachricht von Ihnen bezüglich Amerika gewartet
und auch Herr Stein hat mit Ihnen diesbezüglich korrespondiert1. Die
Sache steht so, dass ich von Ihnen, wie besprochen, ganz kurze Daten
darüber bekommen muss, wie Sie sich Ihre Tätigkeit dort vorstellen.
Wie Sie mir sagten, denken Sie a) an Vorträge (bitte Themen anzuge-
ben), b) an musiktheoretische Kurse (bitte auch darüber genauere
Angaben) und eventuell c) an die Leitung von Aufführungen Ihrer
Werke (da kommen schon aus finanziellen Gründen nur die kleineren
Werke zunächst in Betracht).
Was die Honorierung betrifft, so ist nach meinen Informatio-
nen eine Garantie dafür, dass Ihnen so viel geboten wird, als Sie
durch eventuelle Verzichtleistung auf Ihre Berliner vertragsmässigen
Ansprüche verlieren würden, keinesfalls durchzusetzen und ich kann
andererseits nicht beurteilen, inwieweit eine eventuelle Amerika-
Reise auf Ihr Verhältnis zu Berlin Einfluss hat. Wieviel man in
Amerika erreichen kann, weiss ich nicht, man müsste es auf ein An-
gebot der Amerikaner ankommen lassen, wobei man ihnen sagen müsste,
dass ausser Reise- und Aufenthaltsspesen auch ein entsprechendes
Honorar, das für das erstemal nicht zu hoch gegriffen werden dürfte,

verlangt werde. Ich habe Ihnen mitgeteilt, dass Herr Prof. Hill
von der Harvard University, der allerdings mit nächster Saison nicht
mehr aktiv dort tätig ist, einen Betrag von $ 2500.– bis 3000.–
als Gesamtentschädigung für etwa 4 Monate als möglich bezeichnet
hat, doch habe ich bisher von ihm nichts mehr gehört und es ist
dies eine absolut unverbindliche Mitteilung gewesen. Wenn Sie mir
die erbetenen Unterlagen schicken, werde ich sofort an das American
Institute for International Education New York
herantreten. Die
Krise ist leider drüben besonders in musikalischen Dingen verhältnis-
mässig sehr gross und daher ist es heute selbst bei einem internatio-
nal so bekannten Künstler nicht leicht.
Wir werden selbstverständlich alle für Sie einlangenden
Briefe an Ihre jeweilige Adresse nachsenden und das Porto ergänzen
und Telegramme, wenn sie wichtig sind, nachtelegraphieren.
Mit besten Empfehlungen Ihr sehr ergebener
P. S. Bezüglich der Abrechnung
bitten wir Sie, sich noch ganz
wenige Tage gedulden zu wollen.

Dr. K./Wi.
Wien, 13. Juli 1933.
Herrn
Professor Arnold Schönberg,
Hotel Regina,
Paris
Sehr verehrter Herr Schönberg!
Besten Dank für Ihre Mitteilung vom 11. VII. Ich habe die ganze Zeit auf eine Nachricht von Ihnen bezüglich Amerika gewartet und auch Herr Stein hat mit Ihnen diesbezüglich korrespondiert1. Die Sache steht so, dass ich von Ihnen, wie besprochen, ganz kurze Daten darüber bekommen muss, wie Sie sich Ihre Tätigkeit dort vorstellen. Wie Sie mir sagten, denken Sie a) an Vorträge (bitte Themen anzugeben), b) an musiktheoretische Kurse (bitte auch darüber genauere Angaben) und eventuell c) an die Leitung von Aufführungen Ihrer Werke (da kommen schon aus finanziellen Gründen nur die kleineren Werke zunächst in Betracht).
Was die Honorierung betrifft, so ist nach meinen Informationen eine Garantie dafür, dass Ihnen so viel geboten wird, als Sie durch eventuelle Verzichtleistung auf Ihre Berliner vertragsmässigen Ansprüche verlieren würden, keinesfalls durchzusetzen und ich kann andererseits nicht beurteilen, inwieweit eine eventuelle Amerika-Reise auf Ihr Verhältnis zu Berlin Einfluss hat. Wieviel man in Amerika erreichen kann, weiss ich nicht, man müsste es auf ein Angebot der Amerikaner ankommen lassen, wobei man ihnen sagen müsste, dass ausser Reise- und Aufenthaltsspesen auch ein entsprechendes Honorar, das für das erstemal nicht zu hoch gegriffen werden dürfte, verlangt werde. Ich habe Ihnen mitgeteilt, dass Herr Prof. Hill von der Harvard University, der allerdings mit nächster Saison nicht mehr aktiv dort tätig ist, einen Betrag von $ 2500.– bis 3000.– als Gesamtentschädigung für etwa 4 Monate als möglich bezeichnet hat, doch habe ich bisher von ihm nichts mehr gehört und es ist dies eine absolut unverbindliche Mitteilung gewesen. Wenn Sie mir die erbetenen Unterlagen schicken, werde ich sofort an das American Institute for International Education New York herantreten. Die Krise ist leider drüben besonders in musikalischen Dingen verhältnismässig sehr gross und daher ist es heute selbst bei einem international so bekannten Künstler nicht leicht.
Wir werden selbstverständlich alle für Sie einlangenden Briefe an Ihre jeweilige Adresse nachsenden und das Porto ergänzen und Telegramme, wenn sie wichtig sind, nachtelegraphieren.
Mit besten Empfehlungen Ihr sehr ergebener
Dr Kalmus
P. S. Bezüglich der Abrechnung bitten wir Sie, sich noch ganz wenige Tage gedulden zu wollen.

13. Juli 1933


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 13. Juli 1933, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.17377.

Download:
Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen