Universal-Edition an Arnold Schönberg
30. August 1913
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 30. August 1913.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 30. August 1913.
W
Hochwohlgeboren
Herrn Arnold Schönberg
Sehr geehrter Herr Schönberg!
Soeben wieder für einige Zeit nach Wien
zurückgekehrt,
finde ich einige Briefe1 aus der letzten Zeit von Ihnen vor.
Der buchhalterische Teil derselben wird nach Rückkehr unseres
Buchhalters sofort erledigt werden und bitte ich Sie, sich diesbezüglich
einige kurze Zeit zu gedulden. In der prinzipiellen Frage die
Sie aufwerfen, dass Ihnen Gewinnanteile von Materialien oder
sonstigen Verkäufen unbeschadet dessen gebühren, ob die betref-
fenden Zahlungen eingegangen sind oder nicht, bedaure ich, Ih-
ren Standpunkt nicht teilen zu können. Wir können alle Anteile
an Komponisten nur dann verrechnen, wenn tatsächlich die Eingänge
erfolgt sind. Dieser Standpunkt ist übrigens ein derart korrekter
und selbstverständlicher, dass Sie bei reiflicher Erwägung der
Sache keinen Anstand nehmen können, ihn gutzuheissen.
finde ich einige Briefe1 aus der letzten Zeit von Ihnen vor.
Der buchhalterische Teil derselben wird nach Rückkehr unseres
Buchhalters sofort erledigt werden und bitte ich Sie, sich diesbezüglich
einige kurze Zeit zu gedulden. In der prinzipiellen Frage die
Sie aufwerfen, dass Ihnen Gewinnanteile von Materialien oder
sonstigen Verkäufen unbeschadet dessen gebühren, ob die betref-
fenden Zahlungen eingegangen sind oder nicht, bedaure ich, Ih-
ren Standpunkt nicht teilen zu können. Wir können alle Anteile
an Komponisten nur dann verrechnen, wenn tatsächlich die Eingänge
erfolgt sind. Dieser Standpunkt ist übrigens ein derart korrekter
und selbstverständlicher, dass Sie bei reiflicher Erwägung der
Sache keinen Anstand nehmen können, ihn gutzuheissen.
Sehr erstaunt war ich, aus einigen Ihrer Schreiben
zu ent-
nehmen, dass Sie es aufs Entschiedenste ablehnen, eine zwischen
uns klar getroffene Abmachung einzuhalten. Es handelt sich hier um
die Hälfte Ihrer Wiener Reisespesen in der Gurrelieder-Angelegenheit2.
Sie wissen ganz gut, dass Sie hauptsächlich deswegen nach Wien
gebeten wurden, weil Ihre eigene Orchesterpartitur von Unklarhei-
nehmen, dass Sie es aufs Entschiedenste ablehnen, eine zwischen
uns klar getroffene Abmachung einzuhalten. Es handelt sich hier um
die Hälfte Ihrer Wiener Reisespesen in der Gurrelieder-Angelegenheit2.
Sie wissen ganz gut, dass Sie hauptsächlich deswegen nach Wien
gebeten wurden, weil Ihre eigene Orchesterpartitur von Unklarhei-
ten, Fehlern3 u. dergl. wimmelte. Es wäre ohne Ihre persönliche Anwesen-
heit wahrscheinlich zur Aufführung überhaupt nicht gekommen. Unsere
Abmachung in Berlin war ganz klar. Ich habe mich bereit erklärt, die
Hälfte des bewussten Betrages zu bezahlen und nicht mehr; die andere
Hälfte sollte entweder der Philharmonische Chor tragen oder Sie selbst.
Ich habe beim Philh. Chor, das wird Ihnen Schreker und der Schriftführer,
Herr Dr. Löwy bestätigen, wiederholt in energischster Weise interve-
niert, damit die Hälfte der Reisespesen übernommen werde. Ich wurde
jedoch immer wieder vertröstet, dass eine Entschliessung diesbezgl.
erst getroffen werden kann, sobald das finanzielle Endergebnis des
Konzertes vorliegt. Später hiess es, dass das Konzert mit einem der-
artigen Defizit geschlossen hat, dass weitere Zahlungen derzeit nicht
gemacht werden können.
heit wahrscheinlich zur Aufführung überhaupt nicht gekommen. Unsere
Abmachung in Berlin war ganz klar. Ich habe mich bereit erklärt, die
Hälfte des bewussten Betrages zu bezahlen und nicht mehr; die andere
Hälfte sollte entweder der Philharmonische Chor tragen oder Sie selbst.
Ich habe beim Philh. Chor, das wird Ihnen Schreker und der Schriftführer,
Herr Dr. Löwy bestätigen, wiederholt in energischster Weise interve-
niert, damit die Hälfte der Reisespesen übernommen werde. Ich wurde
jedoch immer wieder vertröstet, dass eine Entschliessung diesbezgl.
erst getroffen werden kann, sobald das finanzielle Endergebnis des
Konzertes vorliegt. Später hiess es, dass das Konzert mit einem der-
artigen Defizit geschlossen hat, dass weitere Zahlungen derzeit nicht
gemacht werden können.
Dies ist der Rechtsstandpunkt in dieser Frage. Etwas anderes
wäre vielleicht der Gefühlsstandpunkt und da ich mich von diesem sehr
häufig leiten lasse, so scheint es mir immerhin möglich, dass ich mich
bei entsprechender Veranlassung bereit finden werde, Ihren Wünschen in
dieser Angelegenheit Rechnung zu tragen.
wäre vielleicht der Gefühlsstandpunkt und da ich mich von diesem sehr
häufig leiten lasse, so scheint es mir immerhin möglich, dass ich mich
bei entsprechender Veranlassung bereit finden werde, Ihren Wünschen in
dieser Angelegenheit Rechnung zu tragen.
In Ihrem Werten vom 19.
ds. avisierten Sie in Angelegenheit
Monn eine ausführliche Antwort. Ich wäre Ihnen für dieselbe nun sehr
dankbar, denn ich muss endlich wissen, ob Sie bis Ende September mir
das Arrangement für Cello und Klavier zu den von Ihnen akzeptierten
Plattenpreis liefern können. Die Frage der Kontinuo- u. Orchesterausgabe
ist von der Frage der Ausgabe des Klavier-Arrangements vollkommen ge-
trennt zu behandeln, wie ich Ihnen vor vielen Wochen ausdrücklich
Monn eine ausführliche Antwort. Ich wäre Ihnen für dieselbe nun sehr
dankbar, denn ich muss endlich wissen, ob Sie bis Ende September mir
das Arrangement für Cello und Klavier zu den von Ihnen akzeptierten
Plattenpreis liefern können. Die Frage der Kontinuo- u. Orchesterausgabe
ist von der Frage der Ausgabe des Klavier-Arrangements vollkommen ge-
trennt zu behandeln, wie ich Ihnen vor vielen Wochen ausdrücklich
schrieb4, kann das vorgesehene Honorar von 200.– nur zur
Zahlung gelangen, wenn von unserer Seite eine Veröffentlichung
oder eine Benützung Ihrer Kontinuo-Bearbeitung erfolgt.
Zahlung gelangen, wenn von unserer Seite eine Veröffentlichung
oder eine Benützung Ihrer Kontinuo-Bearbeitung erfolgt.
Schliesslich teile ich Ihnen mit, dass sich Ihre sechs Kla-
vierstücke im Stich befinden und dass Sie in wenigen Tagen Kor-
rekturabzüge5 derselben erhalten werden.
vierstücke im Stich befinden und dass Sie in wenigen Tagen Kor-
rekturabzüge5 derselben erhalten werden.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr ganz
ergebener
Briefe
Angelegenheit
Schönberg hielt sich bereits ab
13. Februar in Wien auf, da fehlerhaftes
Aufführungsmaterial seine Anwesenheit bei den Proben erforderte
(Arnold Schönberg an Universal-Edition,
6. Februar 1913; Arnold Schönberg an Hans Nachod, 12.
Februar 1913; ASCC 6455).
Unklarhei
ten, Fehlern
Dem entgegen steht Alban Bergs Aussage, dass weniger Fehler
in der Partitur zu berichtigen als vielmehr interpretatorische Fragen zu
klären waren und eine Absage nicht in Erwägung gezogen wurde (Alban
Berg an Arnold Schönberg, 1. Februar 1913; ASCC
19821).
schrieb
Korrekturabzüge
Korrekturabzüge der 1. Korrektur, verschollen (ASGA B 4, Quelle C*).
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 30. August 1913.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Sternwartenstr. 15–21
WIEN
I·Reichsratsstrasse 9
Telegramm-Adresse: Musikedition, Wien
Telefon No 22877·Bank-Konto: k·k·privil·österr.
Länderbank, Wien·Postsparkassen-Konto: 57557.
Wien 30. August 1913.
W
Sehr geehrter Herr Schönberg!
Soeben wieder für einige Zeit nach Wien
zurückgekehrt, finde ich einige Briefe1 aus der letzten Zeit
von Ihnen vor. Der buchhalterische Teil derselben wird nach Rückkehr unseres
Buchhalters sofort erledigt werden und bitte ich Sie, sich diesbezüglich
einige kurze Zeit zu gedulden. In der prinzipiellen Frage die Sie
aufwerfen, dass Ihnen Gewinnanteile von Materialien oder sonstigen Verkäufen
unbeschadet dessen gebühren, ob die betreffenden Zahlungen eingegangen sind oder nicht, bedaure ich, Ihren Standpunkt nicht teilen zu können. Wir können alle Anteile
an Komponisten nur dann verrechnen, wenn tatsächlich die Eingänge erfolgt
sind. Dieser Standpunkt ist übrigens ein derart korrekter und
selbstverständlicher, dass Sie bei reiflicher Erwägung der Sache keinen Anstand
nehmen können, ihn gutzuheissen.
Sehr erstaunt war ich, aus einigen Ihrer Schreiben
zu entnehmen, dass Sie es aufs Entschiedenste ablehnen, eine zwischen
uns klar getroffene Abmachung einzuhalten. Es handelt sich hier um die
Hälfte Ihrer Wiener Reisespesen in der
Gurrelieder-Angelegenheit2. Sie wissen ganz gut, dass Sie hauptsächlich deswegen nach
Wien
gebeten wurden, weil Ihre eigene Orchesterpartitur von Unklarhei
ten, Fehlern3 u. dergl. wimmelte. Es wäre ohne Ihre persönliche Anwesenheit wahrscheinlich zur Aufführung überhaupt nicht gekommen.
Unsere Abmachung in Berlin war ganz
klar. Ich habe mich bereit erklärt, die Hälfte des bewussten Betrages zu
bezahlen und nicht mehr; die andere Hälfte sollte entweder der Philharmonische Chor tragen oder Sie selbst.
Ich habe beim Philh. Chor, das wird Ihnen
Schreker und der Schriftführer,
Herr Dr. Löwy bestätigen, wiederholt
in energischster Weise interveniert, damit die Hälfte der Reisespesen übernommen werde. Ich
wurde jedoch immer wieder vertröstet, dass eine Entschliessung diesbezgl.
erst getroffen werden kann, sobald das finanzielle Endergebnis des
Konzertes vorliegt. Später hiess es, dass das Konzert mit einem derartigen Defizit geschlossen hat, dass weitere Zahlungen derzeit
nicht gemacht werden können.
Dies ist der Rechtsstandpunkt in dieser Frage. Etwas anderes wäre
vielleicht der Gefühlsstandpunkt und da ich mich von diesem
sehr häufig leiten lasse, so scheint es mir immerhin möglich, dass ich mich
bei entsprechender Veranlassung bereit finden werde, Ihren Wünschen in
dieser Angelegenheit Rechnung zu tragen.
In Ihrem Werten vom 19.
ds. avisierten Sie in Angelegenheit
Monn eine ausführliche Antwort. Ich wäre
Ihnen für dieselbe nun sehr dankbar, denn ich muss endlich wissen, ob Sie
bis Ende September mir das Arrangement für Cello und Klavier zu den von Ihnen
akzeptierten Plattenpreis liefern können. Die Frage der Kontinuo- u.
Orchesterausgabe ist von der Frage der Ausgabe des Klavier-Arrangements
vollkommen getrennt zu behandeln, wie ich Ihnen vor vielen Wochen
ausdrücklich
schrieb4, kann das vorgesehene Honorar von 200.– nur zur Zahlung
gelangen, wenn von unserer Seite eine Veröffentlichung oder eine Benützung
Ihrer Kontinuo-Bearbeitung erfolgt.
Schliesslich teile ich Ihnen mit, dass sich Ihre sechs Klavierstücke im Stich befinden und dass Sie in wenigen
Tagen Korrekturabzüge5 derselben erhalten
werden.
Briefe
Angelegenheit
Schönberg hielt sich bereits ab
13. Februar in Wien auf, da fehlerhaftes
Aufführungsmaterial seine Anwesenheit bei den Proben erforderte
(Arnold Schönberg an Universal-Edition,
6. Februar 1913; Arnold Schönberg an Hans Nachod, 12.
Februar 1913; ASCC 6455).
Unklarhei
ten, Fehlern
Dem entgegen steht Alban Bergs Aussage, dass weniger Fehler
in der Partitur zu berichtigen als vielmehr interpretatorische Fragen zu
klären waren und eine Absage nicht in Erwägung gezogen wurde (Alban
Berg an Arnold Schönberg, 1. Februar 1913; ASCC
19821).
schrieb
Korrekturabzüge
Korrekturabzüge der 1. Korrektur, verschollen (ASGA B 4, Quelle C*).
30. August 1913
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 30. August 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.17492.