11/8. 1913
Lieber Herr Direktor, gestern nach Berlin zurückgekommen, beeile ich mich Ihnen
heute zu antworten.
Zunächst: I. Monn
Ich nehme also (da es sich mir um ein künstlerisches Experiment handelt) Ihren
Vorschlag mir je Platte 3 Mark zu zahlen an und überlasse Ihnen unter dieser
Bedingung gegen ein Honorar von 200 Mark das Veröffentlichungsrecht meiner Con-
tinuo-Bearbeitung
sowie der Kadenzen, wobei ich erwarte, dass Sie mir für die
Kadenzen ein Extrahonorar zahlen werden. Ich bitte Sie also, mir diese Honorare
umgehend zu überweisen.
Die Klavierbearbeitung werde ich so rasch wie möglich fer-
tig machen. Es wäre mir aber angenehm, wenn Sie mir einen nicht allzu
nah liegenden, äußersten Termin nennen wollten
, da ich gerade an einer größeren
Arbeit bin, die ich nur jetzt ungern unterbrechen würde.
II. Die Orchesterlieder-Partituren, die ich vorher noch aufs genaueste
revidiert habe, werden Sie wohl inzwischen erhalten haben. Ich möchte Sie nun
sehr bitten die Anfertigung der Autografien, sowie des Materials aufs äußerste
zu beschleunigen
. Zemlinsky braucht beides dringendst und es ist Gefahr vor-
handen, dass die Aufführung1 sonst entfällt. Ich glaube es muss in längstens (!)
3–4 Wochen alles da sein. Bitte Antwort.
III. Was ist mit der Kölner Aufführung? Bitte Antwort!
IV. Ein besonderes Wort nun zu Ihrem Brief2 vom 30. Juli, in dem
Sie mich die Kosten meiner Wiener Reise3 wegen Korrektur des Gurrelieder-Ma-
terials bezalen lassen wollen.
Das muss ich aufs Entschiedenste ablehnen.
Zunächst muss ich Ihnen zu bedenken geben, ob die Zumutung
sehr nobel ist gegen einen Autor, der so wenig von seinen Werken bekommt,
wie ich?
Dann aber muss ich mich auf folgenden Standpunkt stellen:
Die Frage, ob Sie oder der Philharmonische Chor die Kosten meiner
Wiener Reise trägt, waren Sie nach unserer Abmachung verpflichtet, so-
fort zu erledigen – eben während meiner Anwesenheit. Denn ich
dachte mirs ja, dass wenn es nachher geschieht (wo man sowol den
Erfolg
vergessen hat, wie auch den Umstand, dass ich gerufen
ward um zu verbessern, was ohne meine Schuld schlecht war; denn

meine Partitur ist ganz gut, hat nicht mehr Fehler, als durchschnittlich Partituren haben; Aber
Ihr Material war unkorrigiert; Stichproben sind keine Korrektur; und schlechte,
billige Kopisten, wie man sie im letzten Augenblick – ohne meine Schuld –
und gegen meinen Rat berief, können kein gutes Material liefern) sich
jeder gerne darum drücken werde. Da ich aber sowol vom Philharm Chor, als
auch von Ihnen direkt zu Hilfe gerufen wurde, hätte es sich gebührt, dass
über die Kostenfrage überhaupt kein Wort gesprochen werde. Denn
ich habe nur das beansprucht, was mich die Wiener Reise mehr ge-
kostet hat, als was ich aus eigenem mir zu gestatten in der Lage bin:
einen Aufenthalt von 3–4 Tagen! Ich war aber Ihretwegen 12 Tage
dort.
Wäre das während meines Aufenthaltes erledigt worden, dann hätte
sich der Chor wohl nicht geweigert, diese Kosten zu bezahlen. Und ich hätte
rechtzeitig mit Schreker reden können. (Wenn Schreker auf eigene
Kosten nach Leipzig4 gefahren ist, so werden Sie wohl zugeben, dass ein
Unterschied besteht. Denn die Gurrelieder haben mir bisher 500 Kronen
(fünfhundert!) getragen, während Schreker bereits mehr als das
30fache von seiner Oper hat. Davon kann man leichter Reisen machen)
Ich hoffe Sie sehen nun meinen Standpunkt ein und (wenn
es Ihnen nicht gelingt, sich mit dem Philharm. Chor auseinander zu setzen)
übernehmen diese 177 Kronen, die ja in Wirklichkeit Ma -
terial-Korrektur-Kosten sind.
Jedenfalls kann ich mir den geringen Ueberschuss, den mein
Conto bis jetzt aufweist (von 470 Kronen) nicht um 177 Kronen
kürzen lassen, welche Ihre Material Korrekturkosten sind.
V. In Ihrer Abrechnung finde ich eine Gutschrift über
Wollen Sie mir bitte mitteilen, wohin diese Materiale ge-
liefert wurden
. Ich möchte mich von Agenten dorthin antragen
lassen um die Sachen selbst zu dirigieren. Oder wollen Sie mich
antragen? Jedenfalls interessiert es mich die Orte zu wissen.
Ich bitte Sie um baldige, hoffentlich freundliche Nachricht und bin mit
herz Grüssen Ihr
Arnold Schönberg
Ich bin ganz überrascht von dem kolossalen Aufschwung meines Notenverkaufes. Er übertri[fft]
meine Erwartungen! Sie sehen, dass Sie nur drucken müssen, um mit meinen Sachen Er[folg]
zu haben. Alles was gedruckt ist, geht!
11/8. 1913
Lieber Herr Direktor, gestern nach Berlin zurückgekommen, beeile ich mich Ihnen heute zu antworten.
Zunächst: I. Monn
Ich nehme also (da es sich mir um ein künstlerisches Experiment handelt) Ihren Vorschlag mir je Platte 3 Mark zu zahlen an und überlasse Ihnen unter dieser Bedingung gegen ein Honorar von 200 Mark das Veröffentlichungsrecht meiner Continuo-Bearbeitung sowie der Kadenzen, wobei ich erwarte, dass Sie mir für die Kadenzen ein Extrahonorar zahlen werden. Ich bitte Sie also, mir diese Honorare umgehend zu überweisen. Die Klavierbearbeitung werde ich so rasch wie möglich fertig machen. Es wäre mir aber angenehm, wenn Sie mir einen nicht allzu nah liegenden, äußersten Termin nennen wollten, da ich gerade an einer größeren Arbeit bin, die ich jetzt ungern unterbrechen würde.
II. Die Orchesterlieder-Partituren, die ich vorher noch aufs genaueste revidiert habe, werden Sie wohl inzwischen erhalten haben. Ich möchte Sie nun sehr bitten die Anfertigung der Autografien, sowie des Materials aufs äußerste zu beschleunigen. Zemlinsky braucht beides dringendst und es ist Gefahr vorhanden, dass die Aufführung1 sonst entfällt. Ich glaube es muss in längstens (!) 3–4 Wochen alles da sein. Bitte Antwort.
III. Was ist mit der Kölner Aufführung? Bitte Antwort!
IV. Ein besonderes Wort nun zu Ihrem Brief2 vom 30. Juli, in dem Sie mich die Kosten meiner Wiener Reise3 wegen Korrektur des Gurrelieder-Materials bezalen lassen wollen.
Das muss ich aufs Entschiedenste ablehnen.
Zunächst muss ich Ihnen zu bedenken geben, ob die Zumutung sehr nobel ist gegen einen Autor, der so wenig von seinen Werken bekommt, wie ich?
Dann aber muss ich mich auf folgenden Standpunkt stellen:
Die Frage, ob Sie oder der Philharmonische Chor die Kosten meiner Wiener Reise trägt, waren Sie nach unserer Abmachung verpflichtet, sofort zu erledigen – eben während meiner Anwesenheit. Denn ich dachte mirs ja, dass wenn es nachher geschieht (wo man sowol den Erfolg vergessen hat, wie auch den Umstand, dass ich gerufen ward um zu verbessern, was ohne meine Schuld schlecht war; denn meine Partitur ist ganz gut, hat nicht mehr Fehler, als durchschnittlich Partituren haben; Aber Ihr Material war unkorrigiert; Stichproben sind keine Korrektur; und schlechte, billige Kopisten, wie man sie im letzten Augenblick – ohne meine Schuld – und gegen meinen Rat berief, können kein gutes Material liefern) sich jeder gerne darum drücken werde. Da ich aber sowol vom Philharm Chor, als auch von Ihnen direkt zu Hilfe gerufen wurde, hätte es sich gebührt, dass über die Kostenfrage überhaupt kein Wort gesprochen werde. Denn ich habe nur das beansprucht, was mich die Wiener Reise mehr gekostet hat, als was ich aus eigenem mir zu gestatten in der Lage bin: einen Aufenthalt von 3–4 Tagen! Ich war aber Ihretwegen 12 Tage dort.
Wäre das während meines Aufenthaltes erledigt worden, dann hätte sich der Chor wohl nicht geweigert, diese Kosten zu bezahlen. Und ich hätte rechtzeitig mit Schreker reden können. (Wenn Schreker auf eigene Kosten nach Leipzig4 gefahren ist, so werden Sie wohl zugeben, dass ein Unterschied besteht. Denn die Gurrelieder haben mir bisher 500 Kronen (fünfhundert!) getragen, während Schreker bereits mehr als das 30fache von seiner Oper hat. Davon kann man leichter Reisen machen)
Ich hoffe Sie sehen nun meinen Standpunkt ein und (wenn es Ihnen nicht gelingt, sich mit dem Philharm. Chor auseinander zu setzen) übernehmen diese 177 Kronen, die ja in Wirklichkeit Ma terial-Korrektur-Kosten sind.
Jedenfalls kann ich mir den geringen Ueberschuss, den mein Conto bis jetzt aufweist (von 470 Kronen) nicht um 177 Kronen kürzen lassen, welche Ihre Material Korrekturkosten sind.
V. In Ihrer Abrechnung finde ich eine Gutschrift über
Wollen Sie mir bitte mitteilen, wohin diese Materiale geliefert wurden. Ich möchte mich von Agenten dorthin antragen lassen um die Sachen selbst zu dirigieren. Oder wollen Sie mich antragen? Jedenfalls interessiert es mich die Orte zu wissen.
Ich bitte Sie um baldige, hoffentlich freundliche Nachricht und bin mit herz Grüssen Ihr Arnold Schönberg
Ich bin ganz überrascht von dem kolossalen Aufschwung meines Notenverkaufes. Er übertrifft meine Erwartungen! Sie sehen, dass Sie nur drucken müssen, um mit meinen Sachen Erfolg zu haben. Alles was gedruckt ist, geht!

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 11. August 1913, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.2.

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