Universal-Edition an Arnold Schönberg
11. Jänner 1923
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Karlstrasse 10
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegr. Adr.: Musikedition, Wien, A. B. C. Code 5th Ed.
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: Oesterr. Länder-
bank. Wien. Postsparkassen Konto: 57557.
Wien, am 11. Jänner 1923
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Karlstrasse 10
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegr. Adr.: Musikedition, Wien, A. B. C. Code 5th Ed.
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bank. Wien. Postsparkassen Konto: 57557.
Wien, am 11. Jänner 1923
D/Ei
Herrn
Prof. Arnold Schönberg,
Mödling bei Wien
Verehrter Meister Schönberg!
Besten Dank für Ihre beiden Briefe1 vom 8-
und 9. Jänner. Ich will dieselben Punkt für Punkt erledigen.
und 9. Jänner. Ich will dieselben Punkt für Punkt erledigen.
I. Waldtaube. Diese Angelegenheit ist von
Herrn Greissle direkt erledigt worden. Ich habe von der Ko-
piaturarbeit leider erst erfahren, als dieselbe zur Hälfte
schon fertig war. Ich bedaure sehr, dass ein schlechter Schrei-
ber genommen wurde, obwohl wir einige ganz ausgezeichnete
Kopisten besitzen. Herr Greissle erklärte mir, dass es sich
bei Ihrer Beschwerde2 hauptsächlich um die Harmonium- und Kla-
vierstimme handelt und ich habe natürlich angeordnet, dass
diese sofort neu gemacht werden.
Herrn Greissle direkt erledigt worden. Ich habe von der Ko-
piaturarbeit leider erst erfahren, als dieselbe zur Hälfte
schon fertig war. Ich bedaure sehr, dass ein schlechter Schrei-
ber genommen wurde, obwohl wir einige ganz ausgezeichnete
Kopisten besitzen. Herr Greissle erklärte mir, dass es sich
bei Ihrer Beschwerde2 hauptsächlich um die Harmonium- und Kla-
vierstimme handelt und ich habe natürlich angeordnet, dass
diese sofort neu gemacht werden.
II. Uraufführung3
Erwartung. Nachdem der Kla-
vierauszug nun endlich, endlich erschienen4 ist, und auch das
komplette Orchestermaterial bereits vorliegt, kann es gar kein
Hindernis für die Uraufführung geben. Nachdem ich aber nach
Frankfurt in Ihrem Namen vorderhand eine prinzipielle Zusage
für das Frankfurter Musikfest5 gegeben habe, so können wir na-
türlich nicht so ohne weiters das Werk anderweitig vergeben.
Ich werde mich sofort mit Frankfurt in Verbindung setzen und
werde trachten, in anständiger Weise loszukommen.
vierauszug nun endlich, endlich erschienen4 ist, und auch das
komplette Orchestermaterial bereits vorliegt, kann es gar kein
Hindernis für die Uraufführung geben. Nachdem ich aber nach
Frankfurt in Ihrem Namen vorderhand eine prinzipielle Zusage
für das Frankfurter Musikfest5 gegeben habe, so können wir na-
türlich nicht so ohne weiters das Werk anderweitig vergeben.
Ich werde mich sofort mit Frankfurt in Verbindung setzen und
werde trachten, in anständiger Weise loszukommen.
III. Tischer und Jagenberg. Ich habe Ihr Schrei-
ben
an Tischer nachdem ich es gelesen habe, an Dr. Tischer gesandt. Ich
hoffe, dass auf diesen Brief hin eine Erledigung der Ange-
legenheit wird erfolgen können.
hoffe, dass auf diesen Brief hin eine Erledigung der Ange-
legenheit wird erfolgen können.
IV. An Seligmann habe ich wegen der Gurrelieder
für Köln (Hamburg hat er selbst letzthin als nicht in Kom-
bination kommend bezeichnet) geschrieben. Ich habe ihm die
Voraussetzungen bekanntgegeben, unter denen wir mit ihm
in Unterhandlungen treten könnten und erwarte seine Ant-
wort. (Das „immerhin“ in Ihrem Schreiben hat mich ein wenig
stutzig gemacht.) In Köln wirken Klemperer und Abendroth
und wenn Seligmann nicht mehr ist, als immerhin ein begabter
Mensch6, dann würden wir wohl einen schweren Fehler begehen,
wenn wir nicht versuchen würden, die Gurrelieder-Aufführung
unter Klemperer’s Leitung durchzusetzen.
für Köln (Hamburg hat er selbst letzthin als nicht in Kom-
bination kommend bezeichnet) geschrieben. Ich habe ihm die
Voraussetzungen bekanntgegeben, unter denen wir mit ihm
in Unterhandlungen treten könnten und erwarte seine Ant-
wort. (Das „immerhin“ in Ihrem Schreiben hat mich ein wenig
stutzig gemacht.) In Köln wirken Klemperer und Abendroth
und wenn Seligmann nicht mehr ist, als immerhin ein begabter
Mensch6, dann würden wir wohl einen schweren Fehler begehen,
wenn wir nicht versuchen würden, die Gurrelieder-Aufführung
unter Klemperer’s Leitung durchzusetzen.
V. In Berlin werden die Gurrelieder von
Scheinpflug gemacht7, ich stehe aber trotzdem mit Pella noch
weiter in Unterhandlungen, die möglicherweise zu einer Wie-
derholung im Sommer führen werden.
Scheinpflug gemacht7, ich stehe aber trotzdem mit Pella noch
weiter in Unterhandlungen, die möglicherweise zu einer Wie-
derholung im Sommer führen werden.
VI. Inserat8 „Musik“ betreffend, bitte ich
Sie
vielmals, die wirklich groteske Fassung des Inserates zu ent-
schuldigen. Ein neuer „Inseraten-Literat“, der früher bei der
Firma Simrock tätig war, ist an den Stilblüten schuld. Dieses
Inserat ist leider meiner Aufmerksamkeit entgangen und ich
habe natürlich sofort veranlasst, dass eine Aenderung der
Anzeige erfolgt.
vielmals, die wirklich groteske Fassung des Inserates zu ent-
schuldigen. Ein neuer „Inseraten-Literat“, der früher bei der
Firma Simrock tätig war, ist an den Stilblüten schuld. Dieses
Inserat ist leider meiner Aufmerksamkeit entgangen und ich
habe natürlich sofort veranlasst, dass eine Aenderung der
Anzeige erfolgt.
VII. Was die Höhe des an Frau Hartleben zu
zahlenden Honorares betrifft, so glaube ich, dass man eine
zahlenden Honorares betrifft, so glaube ich, dass man eine
Gesamtentschädigung von M 60.000.–
anbieten
könnte, von der die Hälfte von Ihnen und die
andere Hälfte von uns getragen wird. Ich
werde der Firma Fischer in diesem Sinne
schreiben und dabei auch Ihre Argumentation
darlegen.
könnte, von der die Hälfte von Ihnen und die
andere Hälfte von uns getragen wird. Ich
werde der Firma Fischer in diesem Sinne
schreiben und dabei auch Ihre Argumentation
darlegen.
Mit vielen herzlichen Grüssen
Ihr in warmer Verehrung
ergebener
ergebener
Kommen Sie nie nach Wien?
Ihre beiden Briefe
Beschwerde
Uraufführung
erschienen
Lieferdatum: 10. Jänner 1923, Auflage:
299 (Buchon 2015, Bd.
5, S. 660).
Frankfurter Musikfest
Die für das Musikfest in Frankfurt im Frühjahr 1923 geplante Uraufführung der Erwartung op. 17 kam nicht zustande, da die
Veranstaltungsreihe im Umfang reduziert wurde (ASGA B 6/2, S. 200).
begabter Mensch
Walter
Seligmann war zum Zeitpunkt der Korrespondenz 20 Jahre
alt und hatte kurz zuvor eine Kapellmeisterstelle in Meißen angetreten
(ASGA B 16/3, S.
69).
Scheinpflug
gemacht
Paul Scheinpflug hatte die
Gurre-Lieder in Duisburg dirigiert. Wilhem Klitsch, der den Sprecher-Part
übernommen hatte, setzte sich bei Schönberg dafür ein, Scheinpflug das Recht für eine Aufführung in
Berlin zu übertragen.
Schönberg gab seine
Zustimmung (Wilhelm Klitsch an Arnold Schönberg, 31. Dezember 1922;
ASCC 21230; Arnold Schönberg an Wilhelm Klitsch, 8.
Jänner 1923; ASCC 6473). Gleichzeitig bemühten sich Paul Pella und Heinrich Jalowetz um die Berliner Erstaufführung.
Inserat
Inserat in Die Musik
nicht nachweisbar. Ein Inserat zu Pierrot
lunaire op. 21 mit entsprechendem Wortlaut erschien u. a. in
Signale 1922:
„Für mehr als 50 Städte des In- und Auslandes sind Arnold Schönbergs Melodramen (dreimal
sieben Gedichte) nach Albert Girauds Pierrot
Lunaire zu Aufführungen erworben und allenthalben, soweit
solche bereits zustande kamen, mit bestem Erfolge aufgenommen worden. –
Das Interesse für dieses einzigartige Werk ist, wie aus stetigen
Anfragen ersichtlich, außergewöhnlich rege“.
UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Karlstrasse 10
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
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Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: Oesterr. Länder-
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Wien, am 11. Jänner 1923
Jos·Aibl Verlag, G. m. b. H.
LEIPZIG
Karlstrasse 10
WIEN
I·Karlsplatz 6·
Musikvereinsgebäude
Telegr. Adr.: Musikedition, Wien, A. B. C. Code 5th Ed.
Telefon No 3228, 4533·Bank-Konto: Oesterr. Länder-
bank. Wien. Postsparkassen Konto: 57557.
Wien, am 11. Jänner 1923
D/Ei
Verehrter Meister Schönberg!
Besten Dank für Ihre beiden Briefe1 vom 8-
und 9. Jänner. Ich will dieselben Punkt für
Punkt erledigen.
I. Waldtaube. Diese Angelegenheit ist von Herrn Greissle direkt erledigt worden. Ich habe von der Kopiaturarbeit leider erst erfahren, als dieselbe zur Hälfte
schon fertig war. Ich bedaure sehr, dass ein schlechter Schreiber genommen wurde, obwohl wir einige ganz ausgezeichnete
Kopisten besitzen. Herr Greissle
erklärte mir, dass es sich bei Ihrer Beschwerde2 hauptsächlich um die Harmonium- und
Klavierstimme handelt und ich habe natürlich angeordnet, dass
diese sofort neu gemacht werden.
II. Uraufführung3
Erwartung. Nachdem der Klavierauszug nun endlich, endlich erschienen4 ist, und auch das komplette
Orchestermaterial bereits vorliegt, kann es gar kein Hindernis für die
Uraufführung geben. Nachdem ich aber nach
Frankfurt in Ihrem Namen vorderhand eine
prinzipielle Zusage für das Frankfurter Musikfest5
gegeben habe, so können wir natürlich nicht so ohne weiters das Werk anderweitig vergeben.
Ich werde mich sofort mit Frankfurt
in Verbindung setzen und werde trachten, in anständiger Weise
loszukommen.
III. Tischer und Jagenberg. Ich habe Ihr Schreiben
an Tischer nachdem ich es gelesen habe, an Dr. Tischer gesandt. Ich hoffe, dass auf diesen Brief hin eine Erledigung der Angelegenheit wird erfolgen können.
IV. An Seligmann habe ich wegen der Gurrelieder
für Köln (Hamburg hat er selbst letzthin als nicht in
Kombination kommend bezeichnet) geschrieben. Ich habe ihm die
Voraussetzungen bekanntgegeben, unter denen wir mit ihm in
Unterhandlungen treten könnten und erwarte seine Antwort. (Das „immerhin“ in Ihrem Schreiben hat mich ein wenig stutzig gemacht.) In Köln wirken Klemperer und Abendroth
und wenn Seligmann nicht mehr ist, als
immerhin ein begabter Mensch6, dann würden wir wohl einen
schweren Fehler begehen, wenn wir nicht versuchen würden, die Gurrelieder-Aufführung unter Klemperer’s Leitung durchzusetzen.
V. In Berlin werden die Gurrelieder von
Scheinpflug
gemacht7, ich stehe
aber trotzdem mit Pella noch weiter in
Unterhandlungen, die möglicherweise zu einer Wiederholung im Sommer führen werden.
VI. Inserat8 „Musik“ betreffend, bitte ich
Sie vielmals, die wirklich groteske Fassung des Inserates zu entschuldigen. Ein neuer „Inseraten-Literat“, der früher bei der
Firma Simrock tätig war, ist an den
Stilblüten schuld. Dieses Inserat ist leider meiner Aufmerksamkeit
entgangen und ich habe natürlich sofort veranlasst, dass eine Aenderung der
Anzeige erfolgt.
VII. Was die Höhe des an Frau Hartleben zu
zahlenden Honorares betrifft, so glaube ich, dass man eine Gesamtentschädigung von M 60.000.–
anbieten könnte, von der die Hälfte von Ihnen und die andere Hälfte
von uns getragen wird. Ich werde der Firma Fischer in diesem Sinne schreiben und dabei auch Ihre
Argumentation darlegen.
Mit vielen herzlichen Grüssen
Ihr in warmer Verehrung ergebener
Emil Hertzka
Kommen Sie nie nach Wien?
Ihre beiden Briefe
Beschwerde
Uraufführung
erschienen
Lieferdatum: 10. Jänner 1923, Auflage:
299 (Buchon 2015, Bd.
5, S. 660).
Frankfurter Musikfest
Die für das Musikfest in Frankfurt im Frühjahr 1923 geplante Uraufführung der Erwartung op. 17 kam nicht zustande, da die
Veranstaltungsreihe im Umfang reduziert wurde (ASGA B 6/2, S. 200).
begabter Mensch
Walter
Seligmann war zum Zeitpunkt der Korrespondenz 20 Jahre
alt und hatte kurz zuvor eine Kapellmeisterstelle in Meißen angetreten
(ASGA B 16/3, S.
69).
Scheinpflug
gemacht
Paul Scheinpflug hatte die
Gurre-Lieder in Duisburg dirigiert. Wilhem Klitsch, der den Sprecher-Part
übernommen hatte, setzte sich bei Schönberg dafür ein, Scheinpflug das Recht für eine Aufführung in
Berlin zu übertragen.
Schönberg gab seine
Zustimmung (Wilhelm Klitsch an Arnold Schönberg, 31. Dezember 1922;
ASCC 21230; Arnold Schönberg an Wilhelm Klitsch, 8.
Jänner 1923; ASCC 6473). Gleichzeitig bemühten sich Paul Pella und Heinrich Jalowetz um die Berliner Erstaufführung.
Inserat
Inserat in Die Musik
nicht nachweisbar. Ein Inserat zu Pierrot
lunaire op. 21 mit entsprechendem Wortlaut erschien u. a. in
Signale 1922:
„Für mehr als 50 Städte des In- und Auslandes sind Arnold Schönbergs Melodramen (dreimal
sieben Gedichte) nach Albert Girauds Pierrot
Lunaire zu Aufführungen erworben und allenthalben, soweit
solche bereits zustande kamen, mit bestem Erfolge aufgenommen worden. –
Das Interesse für dieses einzigartige Werk ist, wie aus stetigen
Anfragen ersichtlich, außergewöhnlich rege“.
11. Jänner 1923
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 11. Jänner 1923, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.17624.