D/Ei
Herrn
Mödling bei Wien
Verehrter Meister Schönberg!
Besten Dank für Ihre beiden Briefe1 vom 8-
und 9. Jänner. Ich will dieselben Punkt für Punkt erledigen.
I. Waldtaube. Diese Angelegenheit ist von
Herrn Greissle direkt erledigt worden. Ich habe von der Ko-
piaturarbeit leider erst erfahren, als dieselbe zur Hälfte
schon fertig war. Ich bedaure sehr, dass ein schlechter Schrei-
ber genommen wurde, obwohl wir einige ganz ausgezeichnete
Kopisten besitzen. Herr Greissle erklärte mir, dass es sich
bei Ihrer Beschwerde2 hauptsächlich um die Harmonium- und Kla-
vierstimme handelt und ich habe natürlich angeordnet, dass
diese sofort neu gemacht werden.
II. Uraufführung3 Erwartung. Nachdem der Kla-
vierauszug
nun endlich, endlich erschienen4 ist, und auch das
komplette Orchestermaterial bereits vorliegt, kann es gar kein
Hindernis für die Uraufführung geben. Nachdem ich aber nach
Frankfurt in Ihrem Namen vorderhand eine prinzipielle Zusage
für das Frankfurter Musikfest5 gegeben habe, so können wir na-
türlich nicht so ohne weiters das Werk anderweitig vergeben.
Ich werde mich sofort mit Frankfurt in Verbindung setzen und
werde trachten, in anständiger Weise loszukommen.
III. Tischer und Jagenberg. Ich habe Ihr Schrei-

ben an Tischer nachdem ich es gelesen habe, an Dr. Tischer gesandt. Ich
hoffe, dass auf diesen Brief hin eine Erledigung der Ange-
legenheit wird erfolgen können.
IV. An Seligmann habe ich wegen der Gurrelieder
für Köln (Hamburg hat er selbst letzthin als nicht in Kom-
bination kommend bezeichnet) geschrieben. Ich habe ihm die
Voraussetzungen bekanntgegeben, unter denen wir mit ihm
in Unterhandlungen treten könnten und erwarte seine Ant-
wort. (Das „immerhin“ in Ihrem Schreiben hat mich ein wenig
stutzig gemacht.) In Köln wirken Klemperer und Abendroth
und wenn Seligmann nicht mehr ist, als immerhin ein begabter
Mensch
6, dann würden wir wohl einen schweren Fehler begehen,
wenn wir nicht versuchen würden, die Gurrelieder-Aufführung
unter Klemperer’s Leitung durchzusetzen.
V. In Berlin werden die Gurrelieder von
Scheinpflug gemacht7, ich stehe aber trotzdem mit Pella noch
weiter in Unterhandlungen, die möglicherweise zu einer Wie-
derholung im Sommer führen werden.
VI. Inserat8 „Musik“ betreffend, bitte ich Sie
vielmals, die wirklich groteske Fassung des Inserates zu ent-
schuldigen. Ein neuer „Inseraten-Literat“, der früher bei der
Firma Simrock tätig war, ist an den Stilblüten schuld. Dieses
Inserat ist leider meiner Aufmerksamkeit entgangen und ich
habe natürlich sofort veranlasst, dass eine Aenderung der
Anzeige erfolgt.
VII. Was die Höhe des an Frau Hartleben zu
zahlenden Honorares betrifft, so glaube ich, dass man eine

Gesamtentschädigung von M 60.000.– anbieten
könnte, von der die Hälfte von Ihnen und die
andere Hälfte von uns getragen wird. Ich
werde der Firma Fischer in diesem Sinne
schreiben und dabei auch Ihre Argumentation
darlegen.
Mit vielen herzlichen Grüssen Ihr in warmer Verehrung
ergebener
Kommen Sie nie nach Wien?

D/Ei
Herrn
Mödling bei Wien
Verehrter Meister Schönberg!
Besten Dank für Ihre beiden Briefe1 vom 8- und 9. Jänner. Ich will dieselben Punkt für Punkt erledigen.
I. Waldtaube. Diese Angelegenheit ist von Herrn Greissle direkt erledigt worden. Ich habe von der Kopiaturarbeit leider erst erfahren, als dieselbe zur Hälfte schon fertig war. Ich bedaure sehr, dass ein schlechter Schreiber genommen wurde, obwohl wir einige ganz ausgezeichnete Kopisten besitzen. Herr Greissle erklärte mir, dass es sich bei Ihrer Beschwerde2 hauptsächlich um die Harmonium- und Klavierstimme handelt und ich habe natürlich angeordnet, dass diese sofort neu gemacht werden.
II. Uraufführung3 Erwartung. Nachdem der Klavierauszug nun endlich, endlich erschienen4 ist, und auch das komplette Orchestermaterial bereits vorliegt, kann es gar kein Hindernis für die Uraufführung geben. Nachdem ich aber nach Frankfurt in Ihrem Namen vorderhand eine prinzipielle Zusage für das Frankfurter Musikfest5 gegeben habe, so können wir natürlich nicht so ohne weiters das Werk anderweitig vergeben. Ich werde mich sofort mit Frankfurt in Verbindung setzen und werde trachten, in anständiger Weise loszukommen.
III. Tischer und Jagenberg. Ich habe Ihr Schreiben an Tischer nachdem ich es gelesen habe, an Dr. Tischer gesandt. Ich hoffe, dass auf diesen Brief hin eine Erledigung der Angelegenheit wird erfolgen können.
IV. An Seligmann habe ich wegen der Gurrelieder für Köln (Hamburg hat er selbst letzthin als nicht in Kombination kommend bezeichnet) geschrieben. Ich habe ihm die Voraussetzungen bekanntgegeben, unter denen wir mit ihm in Unterhandlungen treten könnten und erwarte seine Antwort. (Das „immerhin“ in Ihrem Schreiben hat mich ein wenig stutzig gemacht.) In Köln wirken Klemperer und Abendroth und wenn Seligmann nicht mehr ist, als immerhin ein begabter Mensch6, dann würden wir wohl einen schweren Fehler begehen, wenn wir nicht versuchen würden, die Gurrelieder-Aufführung unter Klemperer’s Leitung durchzusetzen.
V. In Berlin werden die Gurrelieder von Scheinpflug gemacht7, ich stehe aber trotzdem mit Pella noch weiter in Unterhandlungen, die möglicherweise zu einer Wiederholung im Sommer führen werden.
VI. Inserat8 „Musik“ betreffend, bitte ich Sie vielmals, die wirklich groteske Fassung des Inserates zu entschuldigen. Ein neuer „Inseraten-Literat“, der früher bei der Firma Simrock tätig war, ist an den Stilblüten schuld. Dieses Inserat ist leider meiner Aufmerksamkeit entgangen und ich habe natürlich sofort veranlasst, dass eine Aenderung der Anzeige erfolgt.
VII. Was die Höhe des an Frau Hartleben zu zahlenden Honorares betrifft, so glaube ich, dass man eine Gesamtentschädigung von M 60.000.– anbieten könnte, von der die Hälfte von Ihnen und die andere Hälfte von uns getragen wird. Ich werde der Firma Fischer in diesem Sinne schreiben und dabei auch Ihre Argumentation darlegen.
Mit vielen herzlichen Grüssen Ihr in warmer Verehrung ergebener Emil Hertzka
Kommen Sie nie nach Wien?

11. Jänner 1923


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 11. Jänner 1923, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.17624.

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