MOEDLING BEI WIEN
9./1. 1923
Lieber Herr Direktor Herzka
Sie sind hoffentlich nicht bös, dass ich den Rat, um den ich Sie in
der Tischer-Angelegenheit gebeten habe nicht abwarte, und Ihnen mei-
ne Antwort heute schicke, mit der Bitte, sie in beifolgendem Kuvert
diesmal verschlossen, separat zu senden. Ich hoffe Sie finden das
gut so.
Zu den andern Fragen Ihrer letzten Briefe1:
SELIGMANN: Ich habe nichts dagegen, wenn Sie diesem die Aufführung
der Gurrelieder in Köln oder Hamburg überlassen; insbesondere nicht,
wenn Sie ohnedies keine andere Aufführung in Aussicht haben. Dass es
sich ziehen will, kann ichunkünstlerisch ist, wenn ein junger Mensch die Aufmerksamkeit auf sicsich lenkt,
kann man wohl nicht sagen, da es mit Kunst noch lange nichts zu tun
haben muss, aber keineswegs ausschliesst, dass es eine gute, also künst-
lerische Aufführung wird. Seligman ist immerhin ein begabter Mensch
und einmal muss jeder jung sein2 ehe er alt wird. Vielleicht können Sie
irgend welche Garantien verlangen, für den Fall als er wider Er-
warten nicht die Aufgabe bewältigen könnte. Dass dann auf seine Kos-
ten ein anderer z. B. Zemlinski berufen werden muss. Aber – soweit ich S.
kenne ist keine derartige Gefahr dabei.
Aus Frankfurt, wegen der Erwartung, habe ich nichts gehört, was mir
in jeder Hinsicht angenehm ist: ich hätte dort ja doch wieder abge-
sagt! Ohne Nachricht bin ich über die Berliner Aufführung der Gurre-
lieder
. Hat Scheinpflug3 die bekommen? Oder wer anderer?
Die Bach-Instrumentation4 will ich einnstweilen noch nicht veröffent-
lichen. Vielleicht wird es doch, wie ursprünglich geplant, ein grösserer
Zyklus
5.
Ueber alle Kopenhagener Fragen6 werde ich morgen mit Klenau defini-
tives verabredenn. Ein Kapitel aus der Harmonielehre abzudrucken hat
gar keinen Sinn, weil die Leute darum die Kammersymphonie doch nicht
besser verstehen werden, wenn sie sich im Nichtverstehen vorher an
der Harmonielehre geübt haben.
Ich fand beifolgendes Inserat in der „Musik7. Das haben wir doch
doch, abgesehen vom Stil, beide nicht nötig: das einzigartige Werk!
Und: mit bestem Erfolge (!) aufgenommen: da haben also die
Aufnehmenden den Erfolg gehabt! Was aber doch nur für diese, nicht
aber für das Werk spricht. So selbstlos muss man nicht sein, sondern
kann schon sagen, dass das Werk Erfolg gehabt hat oder mit Beifall
aufgenommen worden ist. Ein Abführmittel kann mit Erfolg eingenommen
werden. Nämlich: mit nachträglichem. Mit gleichzeitigem geht auch das
nicht.
Ich grüsse Sie herzlichst und bin Ihr ergebener
Beiliegend:
2 Briefe8 an T. & J.
1 [Brief] von 〃 [T. & J.]
1 [Brief][von] Seligman
1 Zeitungsausschnitt
9./1. 1923
Lieber Herr Direktor Herzka
Sie sind hoffentlich nicht bös, dass ich den Rat, um den ich Sie in der Tischer-Angelegenheit gebeten habe nicht abwarte, und Ihnen meine Antwort heute schicke, mit der Bitte, sie in beifolgendem Kuvert diesmal verschlossen, separat zu senden. Ich hoffe Sie finden das gut so.
Zu den andern Fragen Ihrer letzten Briefe1:
SELIGMANN: Ich habe nichts dagegen, wenn Sie diesem die Aufführung der Gurrelieder in Köln oder Hamburg überlassen; insbesondere nicht, wenn Sie ohnedies keine andere Aufführung in Aussicht haben. Dass es unkünstlerisch ist, wenn ein junger Mensch die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, kann man wohl nicht sagen, da es mit Kunst noch lange nichts zu tun haben muss, aber keineswegs ausschliesst, dass es eine gute, also künstlerische Aufführung wird. Seligman ist immerhin ein begabter Mensch und einmal muss jeder jung sein2 ehe er alt wird. Vielleicht können Sie irgend welche Garantien verlangen, für den Fall als er wider Erwarten nicht die Aufgabe bewältigen könnte. Dass dann auf seine Kosten ein anderer z. B. Zemlinski berufen werden muss. Aber – soweit ich S. kenne ist keine derartige Gefahr dabei.
Aus Frankfurt, wegen der Erwartung, habe ich nichts gehört, was mir in jeder Hinsicht angenehm ist: ich hätte dort ja doch wieder abge sagt! Ohne Nachricht bin ich über die Berliner Aufführung der Gurrelieder. Hat Scheinpflug3 die bekommen? Oder wer anderer?
Die Bach-Instrumentation4 will ich einstweilen noch nicht veröffentlichen. Vielleicht wird es doch, wie ursprünglich geplant, ein grösserer Zyklus5.
Ueber alle Kopenhagener Fragen6 werde ich morgen mit Klenau definitives verabreden. Ein Kapitel aus der Harmonielehre abzudrucken hat gar keinen Sinn, weil die Leute darum die Kammersymphonie doch nicht besser verstehen werden, wenn sie sich im Nichtverstehen vorher an der Harmonielehre geübt haben.
Ich fand beifolgendes Inserat in der „Musik7. Das haben wir doch, abgesehen vom Stil, beide nicht nötig: das einzigartige Werk! Und: mit bestem Erfolge (!) aufgenommen: da haben also die Aufnehmenden den Erfolg gehabt! Was aber doch nur für diese, nicht aber für das Werk spricht. So selbstlos muss man nicht sein, sondern kann schon sagen, dass das Werk Erfolg gehabt hat oder mit Beifall aufgenommen worden ist. Ein Abführmittel kann mit Erfolg eingenommen werden. Nämlich: mit nachträglichem. Mit gleichzeitigem geht auch das nicht.
Ich grüsse Sie herzlichst und bin Ihr ergebener
Beiliegend:
2 Briefe8 an T. & J.
1 Brief von T. & J.
1 Brief von Seligman
1 Zeitungsausschnitt

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 9. Jänner 1923, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.776.

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