Wien, am 7. Mai 1951
Herrn
Los Angeles 49
Lieber Herr Professor!
Vielen Dank für Ihren Brief vom 21. 4. Ich freue mich sehr, dass
Sie mir so bald geantwortet haben, denn ich lege grössten Wert
darauf, dass zwischen Ihnen und Ihrem Verlag das Vertrauensver-
hältnis wieder hergestellt wird. Ich sprach kürzlich Dr. Curjel,
der Sie nächstens besuchen1 wird. Ich hoffe, dass auch dieser Be-
such zu diesem Ziele beitragen wird.
Hinsichtlich der AMP haben Sie mich, glaube ich, noch nicht richtig
verstanden. Der Ihnen ja auch bekannte Alien Property Custodian
hat nicht nur unsere Gelder, sondern auch unsere Rechte für USA
beschlagnahmt und unseren Vertrag mit AMP ohne unser Zutun verlän-
gert. Wenn der APC Ihnen hat sagen lassen2, dass Sie nicht gezwun-
gen sind den Vertrag mit AMP anzuerkennen, so müsste er daraus
auch die Konsequenz ziehen, uns freie Verfügung über unsere Rechte
in USA zu geben. Falls er dies wenigstens in Bezug auf Ihre Werke
tut, können wir dann gemeinsam entschliessen, was zu tun ist.
Das Material der Oper „Von Heute auf Morgen“ werden wir gemäss der
Aufstellung, die ich Ihnen gesendet habe, Herrn Scherchen über-
geben. Ich werde Alles tun, um festzustellen, ob sich noch weitere
Materiale bei uns befinden, fürchte aber, dass Sie sich doch ir-
ren, denn die Ziffern, die ich Ihnen nannte, fussen auf den Origi-
naleintragungen in unseren Kartotheken. Trotzdem werde ich noch
einmal Alles genauestens überprüfen.
Ich habe jedenfalls zur Kenntnis genommen, dass Sie bis zum 13. 9.
1951 spätestens Klarheit über die amerikanische Vertretung haben
wollen. Ich hoffe, dass wir bis dahin Alles geregelt haben werden.
Ich muss nur noch ein Mal wiederholen, dass es nicht in meiner
Macht liegt, sondern lediglich in der des APC, die entsprechenden
Entscheidungen zu fällen.
Die von Erwin Stein angefertigte Partitur3 der Reduktion von PELLEAS
UND MELISANDE
ist in unserem Besitz. Die Partitur ist allerdings
derzeit nicht bei uns zu Hause. Wollen Sie sie gelegentlich sehen?
Mit ergebensten Grüssen
Wien, am 7. Mai 1951
Herrn
Los Angeles 49
Lieber Herr Professor!
Vielen Dank für Ihren Brief vom 21. 4. Ich freue mich sehr, dass Sie mir so bald geantwortet haben, denn ich lege grössten Wert darauf, dass zwischen Ihnen und Ihrem Verlag das Vertrauensverhältnis wieder hergestellt wird. Ich sprach kürzlich Dr. Curjel, der Sie nächstens besuchen1 wird. Ich hoffe, dass auch dieser Besuch zu diesem Ziele beitragen wird.
Hinsichtlich der AMP haben Sie mich, glaube ich, noch nicht richtig verstanden. Der Ihnen ja auch bekannte Alien Property Custodian hat nicht nur unsere Gelder, sondern auch unsere Rechte für USA beschlagnahmt und unseren Vertrag mit AMP ohne unser Zutun verlängert. Wenn der APC Ihnen hat sagen lassen2, dass Sie nicht gezwungen sind den Vertrag mit AMP anzuerkennen, so müsste er daraus auch die Konsequenz ziehen, uns freie Verfügung über unsere Rechte in USA zu geben. Falls er dies wenigstens in Bezug auf Ihre Werke tut, können wir dann gemeinsam entschliessen, was zu tun ist.
Das Material der Oper „Von Heute auf Morgen“ werden wir gemäss der Aufstellung, die ich Ihnen gesendet habe, Herrn Scherchen übergeben. Ich werde Alles tun, um festzustellen, ob sich noch weitere Materiale bei uns befinden, fürchte aber, dass Sie sich doch irren, denn die Ziffern, die ich Ihnen nannte, fussen auf den Originaleintragungen in unseren Kartotheken. Trotzdem werde ich noch einmal Alles genauestens überprüfen.
Ich habe jedenfalls zur Kenntnis genommen, dass Sie bis zum 13. 9. 1951 spätestens Klarheit über die amerikanische Vertretung haben wollen. Ich hoffe, dass wir bis dahin Alles geregelt haben werden. Ich muss nur noch ein Mal wiederholen, dass es nicht in meiner Macht liegt, sondern lediglich in der des APC, die entsprechenden Entscheidungen zu fällen.
Die von Erwin Stein angefertigte Partitur3 der Reduktion von PELLEAS UND MELISANDE ist in unserem Besitz. Die Partitur ist allerdings derzeit nicht bei uns zu Hause. Wollen Sie sie gelegentlich sehen?
Mit ergebensten Grüssen
Schlee

7. Mai 1951



The Library of Congress
Washington, D. C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 7. Mai 1951, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.17717.

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