13.XI.1929
Herrn Direktor Emil Herzka
Wien[L] Karlsplatz 6
Sehr geehrter Herr Direktor
Entsch[u]ldigen Sie; ich konnte nicht sofort
antworten, weil ich dieser Tage so viel zu tu[n] hatte.
Es ist nicht richtig, dass ich Herrn Erd-
mann
ersucht habe, Krenek mitzuteilen, um was Sie mich
fragen; sondern ich habe zu ihm gesagt:
„Ich, wenn ich ein Freund des Krenek wäre,
würde ihm raten, sein Geld schleunigst aus der UE zurück
zu ziehen, da diese unmittelbar vor dem Zusammenbruch zu
stehen scheint“.
Diesen Rat würde ich ihm gegeben haben, weil
ich selbst, wenn Sie mein Konto nicht gesperrt hätten, un-
bedingt auch etwas Aehnliches getan hätte, da Sie mir als
Sie mein[e] Oper erwerben wollten1, durch Ihre eigenen Worte
einen unerhörten Schreck eingejagt hatten. Sie sagten mir
in grösster Aufregung und fast schluchzend:
„Bis vor Kurzem war es der UE noch möglich ge[g]
gen höchste Zinsen von der Bank Geld zu bekommen. Jetzt
geht aber auc[h] das nicht mehr.“
Da ich selbst bis zu einem gewissen Grad den
Eindruck hatte, dass Sie mich selbst damit warnen wollten,
was ich in Anbetracht unseres früher doch recht guten Ver-

hältnisses für einen Freundschaftsakt gehalten hätte
(wogegen nur die Sperrung meines Kontos sprach!) und
da ich nach Ihren Worten an eine unmittelbare und unab-
wendbare Gefahr glauben musste, mir andererseits der Fall
Krenek sehr leid tat, glaubte ich das sagen zu sollen.
Wenn der Stand der UE besser sein sollte:
warum haben Sie mir dann so etwas gesagt???
Ich muss leider schliessen, stehe aber na-
türlich zu weiteren Auskü[n]ften gerne zur Verfügung.
Einstweilen bin ich, in vorzüglicher Hoch-
achtung ergebenst
13.XI.1929
Sehr geehrter Herr Direktor
Entschuldigen Sie; ich konnte nicht sofort antworten, weil ich dieser Tage so viel zu tun hatte.
Es ist nicht richtig, dass ich Herrn Erdmann ersucht habe, Krenek mitzuteilen, um was Sie mich fragen; sondern ich habe zu ihm gesagt:
„Ich, wenn ich ein Freund des Krenek wäre, würde ihm raten, sein Geld schleunigst aus der UE zurück zu ziehen, da diese unmittelbar vor dem Zusammenbruch zu stehen scheint“.
Diesen Rat würde ich ihm gegeben haben, weil ich selbst, wenn Sie mein Konto nicht gesperrt hätten, unbedingt auch etwas Aehnliches getan hätte, da Sie mir als Sie meine Oper erwerben wollten1, durch Ihre eigenen Worte einen unerhörten Schreck eingejagt hatten. Sie sagten mir in grösster Aufregung und fast schluchzend:
„Bis vor Kurzem war es der UE noch möglich ge gen höchste Zinsen von der Bank Geld zu bekommen. Jetzt geht aber auch das nicht mehr.“
Da ich selbst bis zu einem gewissen Grad den Eindruck hatte, dass Sie mich selbst damit warnen wollten, was ich in Anbetracht unseres früher doch recht guten Verhältnisses für einen Freundschaftsakt gehalten hätte (wogegen nur die Sperrung meines Kontos sprach!) und da ich nach Ihren Worten an eine unmittelbare und unabwendbare Gefahr glauben musste, mir andererseits der Fall Krenek sehr leid tat, glaubte ich das sagen zu sollen.
Wenn der Stand der UE besser sein sollte: warum haben Sie mir dann so etwas gesagt???
Ich muss leider schliessen, stehe aber natürlich zu weiteren Auskünften gerne zur Verfügung.
Einstweilen bin ich, in vorzüglicher Hochachtung ergebenst

13. November 1929


Ort erschlossen; Vgl. Arnold Schönberg an Universal-Edition, zwischen 9. und 13. November 1929 und Arnold Schönberg an Universal-Edition, zwischen 9. und 13. November 1929; ob der Brief mit diesem Wortlaut oder in einer weiteren, nicht erhaltenen Version abgeschickt wurde, ist unklar.

The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 13. November 1929, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.1807.

Download:
Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen