Hei/Fi.
Wien, am 5. September 1934.
Herrn
Sehr geehrter Herr Professor!
Wie Sie wissen ist es leider seit Jahren
unmöglich aus Sowjetrussland Leihgebühren oder Tantiemen
in Valuta zu bekommen, da dort alles nur in Rubel bezahlt
wird. Wir sind infolgedessen seit Jahren nicht in der Lage
Materiale nach Sowjetrussland zu liefern. Nun möchte
Dr. Fritz Stiedry, der ja jetzt Generalmusikdirektor in
Leningrad ist, eine Feier1 zu Ihrem 60. Geburtstag in Leningrad
veranstalten und hat uns gebeten, mit Rücksicht auf seinen
besonderen Wunsch diese Feier schön und würdig auszugestalten,
i[h]m Materiale2 von drei Werken und zwar „Pierrot lunaire“,
Kammersinfonie und Orchestervariationen zur Verfügung zu stellen.
Wir hätten unsererseits keine Bedenken diesem Wunsche zu ent-
sprechen, umsomehr als Stiedry ja seit Jahren ein wirklich
erfolgreicher und fördernswerter Vorkämpfer für moderne
Musik ist und wir haben Stiedry auch mitgeteilt, dass der
Verlag seinem Wunsche zustimmt, jedoch nur vorbehaltlich auch
Ihrer Zustimmung. Wir glauben zwar nicht, dass Sie dieselbe
verweigern werden, möchten aber doch der Ordnung halber
Ihnen von dem Sachverhalt Mitteilung machen. Sollten wir von
Ihnen keine gegenteilige Order erhalten, so nehmen wir an,
dass Sie damit einverstanden sind, dass Sie diese Schoenberg-

feier in Leningrad, ohne dass das Material in Valuta bezahlt
wird, Herrn Dr. Stiedry ermöglichen.

Hei/Fi.
Wien, am 5. September 1934.
Sehr geehrter Herr Professor!
Wie Sie wissen ist es leider seit Jahren unmöglich aus Sowjetrussland Leihgebühren oder Tantiemen in Valuta zu bekommen, da dort alles nur in Rubel bezahlt wird. Wir sind infolgedessen seit Jahren nicht in der Lage Materiale nach Sowjetrussland zu liefern. Nun möchte Dr. Fritz Stiedry, der ja jetzt Generalmusikdirektor in Leningrad ist, eine Feier1 zu Ihrem 60. Geburtstag in Leningrad veranstalten und hat uns gebeten, mit Rücksicht auf seinen besonderen Wunsch diese Feier schön und würdig auszugestalten, ihm Materiale2 von drei Werken und zwar „Pierrot lunaire“, Kammersinfonie und Orchestervariationen zur Verfügung zu stellen. Wir hätten unsererseits keine Bedenken diesem Wunsche zu entsprechen, umsomehr als Stiedry ja seit Jahren ein wirklich erfolgreicher und fördernswerter Vorkämpfer für moderne Musik ist und wir haben Stiedry auch mitgeteilt, dass der Verlag seinem Wunsche zustimmt, jedoch nur vorbehaltlich auch Ihrer Zustimmung. Wir glauben zwar nicht, dass Sie dieselbe verweigern werden, möchten aber doch der Ordnung halber Ihnen von dem Sachverhalt Mitteilung machen. Sollten wir von Ihnen keine gegenteilige Order erhalten, so nehmen wir an, dass Sie damit einverstanden sind, dass Sie diese Schoenberg- feier in Leningrad, ohne dass das Material in Valuta bezahlt wird, Herrn Dr. Stiedry ermöglichen.

5. September 1934


The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 5. September 1934, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.19168.

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