Universal-Edition an Arnold Schönberg
16. Oktober 1933
Lieber guter Freund!
Sie können sich vorstellen, mit welcher Freude
ich die Nachricht aufgenommen habe, dass Sie nach
Boston eingeladen sind, dort eine Meisterklasse1 am
Konservatorium zu leiten. Nach Ihrer Abreise aus
Berlin habe ich selbstverständlich gewusst, dass es
nicht lange dauern wird, dass Sie eine Berufung an ein
hervorragendes Musikinstitut erhalten werden. Nun
ist es früher geschehen, als ich vermutete. Ich nehme
an, dass Boston eben die geeignete Stadt ist (hochmu-
sikalisch und äusserlich nicht so lärmend wie bei-
spielsweise New York oder Chicago), wo es Ihnen mög-
lich sein wird, in Ruhe das musikalische Schaffen mit
solcher Intensivität wie bisher, weiter fortzusetzen.
ich die Nachricht aufgenommen habe, dass Sie nach
Boston eingeladen sind, dort eine Meisterklasse1 am
Konservatorium zu leiten. Nach Ihrer Abreise aus
Berlin habe ich selbstverständlich gewusst, dass es
nicht lange dauern wird, dass Sie eine Berufung an ein
hervorragendes Musikinstitut erhalten werden. Nun
ist es früher geschehen, als ich vermutete. Ich nehme
an, dass Boston eben die geeignete Stadt ist (hochmu-
sikalisch und äusserlich nicht so lärmend wie bei-
spielsweise New York oder Chicago), wo es Ihnen mög-
lich sein wird, in Ruhe das musikalische Schaffen mit
solcher Intensivität wie bisher, weiter fortzusetzen.
Da Sie doch in Amerika wahrscheinlich keine
besonderen persönlichen Bekannten haben werden, habe
ich mich an Helene Scheu-Biesz gewandt, welche dort
wirklich sehr viele Freunde besitzt und hat mir diese
mit grosser Freude einige Briefe an ihre dortigen
besonderen persönlichen Bekannten haben werden, habe
ich mich an Helene Scheu-Biesz gewandt, welche dort
wirklich sehr viele Freunde besitzt und hat mir diese
mit grosser Freude einige Briefe an ihre dortigen
Freunde für Sie
gegeben. Es sind sehr angenehme Familie[n]
und ich hoffe, dass Ihnen die Bekanntschaft mit die-
sen angenehm sein wird. Es wird ratsam sein, diese
Briefe mit Ihrer Visitkarte versehen an die betreffen-
den Leute zu senden und Ihre dortige Adresse anzugeben,
worauf Sie höchst wahrscheinlich eine Einladung, oder
irgend eine Zusammenkunft mit den Leuten besprechen
werden. In Boston wird Ihnen auch die Tochter von Frau
Scheu-Biesz, eine reizende Studentin an der Bostoner
Universität, behilflich sein.
und ich hoffe, dass Ihnen die Bekanntschaft mit die-
sen angenehm sein wird. Es wird ratsam sein, diese
Briefe mit Ihrer Visitkarte versehen an die betreffen-
den Leute zu senden und Ihre dortige Adresse anzugeben,
worauf Sie höchst wahrscheinlich eine Einladung, oder
irgend eine Zusammenkunft mit den Leuten besprechen
werden. In Boston wird Ihnen auch die Tochter von Frau
Scheu-Biesz, eine reizende Studentin an der Bostoner
Universität, behilflich sein.
Nun wünsche ich Ihnen viel Glück in Ihrem neuen
Wirkungskreis und werde glücklich sein, nur Gutes von
Ihnen zu hören.
Wirkungskreis und werde glücklich sein, nur Gutes von
Ihnen zu hören.
Es grüsst Sie, Ihre Frau Gemahlin und
das klei-
ne Töchterchen auf das Herzlichste und verbleibt Ihr
alter Freund
ne Töchterchen auf das Herzlichste und verbleibt Ihr
alter Freund
P. S.
Der liebe Herr Greissle macht mir den Vorwurf, dass ich
nicht per du schreibe. Mit grösstem Vergnügen würde ich
das tun und ich hoffe, wenn wir weiter in Korrespondenz
stehen, das zu tun.
Der liebe Herr Greissle macht mir den Vorwurf, dass ich
nicht per du schreibe. Mit grösstem Vergnügen würde ich
das tun und ich hoffe, wenn wir weiter in Korrespondenz
stehen, das zu tun.
Meisterklasse
Nach Adolf Hitlers Ernennung zum Reichskanzler
erfolgte im April 1933 der Erlass des
Gesetztes zur „Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“: Beamte
nichtarischer Abstammung konnten aus dem Dienst entlassen oder
zwangspensioniert werden. Schönbergs Ausscheiden aus der Preußischen Akademie der Künste in Berlin wurde in den USA spätestens Ende Mai 1933 publik (The New York Times 1933). Kurz
danach sandte der in New York
ansässige russische Cellist Joseph
Malkin an Schönberg
die Einladung, am dem neu gegründeten Malkin
Conservatory in Boston Komposition zu unterrichten (Joseph Malkin an
Arnold Schönberg, 15. Juni 1933; ASCC
13931). Malkin, ehemals
Solocellist des Berliner Philharmonischen
Orchesters hatte sich 1927 in den
USA niedergelassen und
konzertierte neben einer Unterrichtstätigkeit am New England
Conservatory mit seinen Brüdern als Malkin-Klaviertrio. Im Frühjahr 1933 entschloss er sich zur Gründung
einer privaten Musikschule in Boston (Muxeneder 2016, S. 90ff.). Arbeitsvertrag:
Agreements-Malkin-Conservatory, 6. September 1933 (ASCI
D5996).
Lieber guter Freund!
Sie können sich vorstellen, mit welcher Freude ich die Nachricht aufgenommen
habe, dass Sie nach
Boston eingeladen sind, dort eine Meisterklasse1 am
Konservatorium zu leiten. Nach Ihrer Abreise
aus
Berlin habe ich selbstverständlich
gewusst, dass es nicht lange dauern wird, dass Sie eine Berufung an ein
hervorragendes Musikinstitut erhalten werden. Nun ist es früher
geschehen, als ich vermutete. Ich nehme an, dass Boston eben die geeignete Stadt ist (hochmusikalisch und äusserlich nicht so lärmend wie beispielsweise New York
oder Chicago), wo es Ihnen möglich sein wird, in Ruhe das musikalische Schaffen mit
solcher Intensivität wie bisher, weiter fortzusetzen.
Da Sie doch in Amerika wahrscheinlich keine
besonderen persönlichen Bekannten haben werden, habe ich mich an
Helene Scheu-Biesz gewandt, welche dort
wirklich sehr viele Freunde besitzt und hat mir diese mit grosser
Freude einige Briefe an ihre dortigen Freunde für Sie
gegeben. Es sind sehr angenehme Familien
und ich hoffe, dass Ihnen die Bekanntschaft mit diesen angenehm sein wird. Es wird ratsam sein, diese
Briefe mit Ihrer Visitkarte versehen an die betreffenden Leute zu senden und Ihre dortige Adresse anzugeben,
worauf Sie höchst wahrscheinlich eine Einladung, oder irgend eine
Zusammenkunft mit den Leuten besprechen werden. In Boston wird Ihnen auch die Tochter von Frau
Scheu-Biesz, eine reizende Studentin an der Bostoner Universität, behilflich sein.
Nun wünsche ich Ihnen viel Glück in Ihrem neuen Wirkungskreis und werde
glücklich sein, nur Gutes von Ihnen zu hören.
Es grüsst Sie, Ihre Frau Gemahlin und
das klei
ne Töchterchen auf das Herzlichste und verbleibt Ihr alter Freund
ne Töchterchen auf das Herzlichste und verbleibt Ihr alter Freund
P. S. Der liebe Herr Greissle macht
mir den Vorwurf, dass ich nicht per du schreibe. Mit grösstem Vergnügen
würde ich das tun und ich hoffe, wenn wir weiter in Korrespondenz
stehen, das zu tun.
Meisterklasse
Nach Adolf Hitlers Ernennung zum Reichskanzler
erfolgte im April 1933 der Erlass des
Gesetztes zur „Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“: Beamte
nichtarischer Abstammung konnten aus dem Dienst entlassen oder
zwangspensioniert werden. Schönbergs Ausscheiden aus der Preußischen Akademie der Künste in Berlin wurde in den USA spätestens Ende Mai 1933 publik (The New York Times 1933). Kurz
danach sandte der in New York
ansässige russische Cellist Joseph
Malkin an Schönberg
die Einladung, am dem neu gegründeten Malkin
Conservatory in Boston Komposition zu unterrichten (Joseph Malkin an
Arnold Schönberg, 15. Juni 1933; ASCC
13931). Malkin, ehemals
Solocellist des Berliner Philharmonischen
Orchesters hatte sich 1927 in den
USA niedergelassen und
konzertierte neben einer Unterrichtstätigkeit am New England
Conservatory mit seinen Brüdern als Malkin-Klaviertrio. Im Frühjahr 1933 entschloss er sich zur Gründung
einer privaten Musikschule in Boston (Muxeneder 2016, S. 90ff.). Arbeitsvertrag:
Agreements-Malkin-Conservatory, 6. September 1933 (ASCI
D5996).
16. Oktober 1933
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Brief, Kopie
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 16. Oktober 1933, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.20223.