Dir. W./Wi.
Wien, 12. März 1937.
Herrn
Brentwood Park,
Los Angeles, Calif.
Hochverehrter Meister!
Zweck dieses Briefes ist, bei Ihnen ganz ergebenst
anzufragen, ob Sie bereit wären, uns Ihr IV. Streichquartett und
das Violinkonzert zum Verlag zu überlassen1. Wir würden uns überaus
freuen, auch weiter Ihre Werke verlegen zu dürfen, nur wissen wir
nicht, ob Sie nicht von amerikanischen Verlegern Angebote haben,
die Ihnen, materiell, wenigstens für den Augenblick, grössere Vor-
teile bringen. Allerdings käme eine Inverlagnahme für uns nur dann
in Frage, wenn Sie uns die Werke gegen Tantiemenzahlungen belassen
würden. Wir sind überzeugt, dass kein anderer Verlag die Werke
schöner herausbringen und sich mehr dafür einsetzen würde, als
die Universal-Edition. Wie immer Ihre Entscheidung ausfällt,
wären wir Ihnen für eine freundliche baldige Benachrichtigung
überaus dankbar.
Wir nehmen an, dass es Ihnen, sehr verehrter
Meister Schönberg, und Ihrer Familie recht gut geht. Aus Wien
ist eigentlich nichts Besonderes zu berichten. Die politischen
Verhältnisse haben sich nach einer einigermassen bewegten Zeit,
die im Vormonat2 anlässlich des Besuches des deutschen Aussen-
ministers Dr. Neurath in Wien herrschte, wieder beruhigt, wenn
auch noch immer um die österreichische Unabhängigkeit im Sinne

Schuschnigg’s zu kämpfen ist. Der Bundeskanzler selbst ist jeden-
falls in dieser Hinsicht unbeugsam.
Es wird Sie interessieren, dass Mitte Juni die Urauffüh-
rung
3 der „Lulu“ in Zürich stattfindet, und zwar kommen nur die
von Berg vollendeten 2 Akte zur Aufführung, worauf dann der letzte
Satz der „Lulu“-Suite folgen wird. Der Juni-Termin wurde deshalb
gewählt, weil anschliessend daran in Paris das Internationale
Musikfest
4 stattfindet und es anzunehmen ist, dass viele Besucher
des Musikfestes gerne vorher in Zürich der 1. oder 2. Aufführung
der „Lulu“ beiwohnen werden.
Da wir wissen, dass Ihnen auch die Entwicklung der Univer-
sal-Edition
nicht gleichgültig ist, erlauben wir uns Ihnen mitzu-
teilen, dass wir vor wenigen Monaten in London eine eigene Firma
unter dem Namen Universal Edition (London) Ltd. aufgemacht haben
und dass unser Herr Dr. Kalmus mit der Leitung unseres Londoner
Hauses betraut wurde.
Wir würden uns freuen, bald von Ihnen, hochgeehrter
Meister Schönberg, gute Nachrichten zu erhalten und empfehlen
uns mit verbindlichen freundschaftlichsten Grüssen ganz ergebenst UNIVERSAL-EDITION A. G. Winter pp Rothe

Dir. W./Wi.
Wien, 12. März 1937.
Herrn
Brentwood Park,
Los Angeles, Calif.
Hochverehrter Meister!
Zweck dieses Briefes ist, bei Ihnen ganz ergebenst anzufragen, ob Sie bereit wären, uns Ihr IV. Streichquartett und das Violinkonzert zum Verlag zu überlassen1. Wir würden uns überaus freuen, auch weiter Ihre Werke verlegen zu dürfen, nur wissen wir nicht, ob Sie nicht von amerikanischen Verlegern Angebote haben, die Ihnen, materiell, wenigstens für den Augenblick, grössere Vorteile bringen. Allerdings käme eine Inverlagnahme für uns nur dann in Frage, wenn Sie uns die Werke gegen Tantiemenzahlungen belassen würden. Wir sind überzeugt, dass kein anderer Verlag die Werke schöner herausbringen und sich mehr dafür einsetzen würde, als die Universal-Edition. Wie immer Ihre Entscheidung ausfällt, wären wir Ihnen für eine freundliche baldige Benachrichtigung überaus dankbar.
Wir nehmen an, dass es Ihnen, sehr verehrter Meister Schönberg, und Ihrer Familie recht gut geht. Aus Wien ist eigentlich nichts Besonderes zu berichten. Die politischen Verhältnisse haben sich nach einer einigermassen bewegten Zeit, die im Vormonat2 anlässlich des Besuches des deutschen Aussenministers Dr. Neurath in Wien herrschte, wieder beruhigt, wenn auch noch immer um die österreichische Unabhängigkeit im Sinne Schuschnigg’s zu kämpfen ist. Der Bundeskanzler selbst ist jedenfalls in dieser Hinsicht unbeugsam.
Es wird Sie interessieren, dass Mitte Juni die Uraufführung3 der „Lulu“ in Zürich stattfindet, und zwar kommen nur die von Berg vollendeten 2 Akte zur Aufführung, worauf dann der letzte Satz der „Lulu“-Suite folgen wird. Der Juni-Termin wurde deshalb gewählt, weil anschliessend daran in Paris das Internationale Musikfest4 stattfindet und es anzunehmen ist, dass viele Besucher des Musikfestes gerne vorher in Zürich der 1. oder 2. Aufführung der „Lulu“ beiwohnen werden.
Da wir wissen, dass Ihnen auch die Entwicklung der Universal-Edition nicht gleichgültig ist, erlauben wir uns Ihnen mitzuteilen, dass wir vor wenigen Monaten in London eine eigene Firma unter dem Namen Universal Edition (London) Ltd. aufgemacht haben und dass unser Herr Dr. Kalmus mit der Leitung unseres Londoner Hauses betraut wurde.
Wir würden uns freuen, bald von Ihnen, hochgeehrter
Meister Schönberg, gute Nachrichten zu erhalten und empfehlen
uns mit verbindlichen freundschaftlichsten Grüssen ganz ergebenst
UNIVERSAL-EDITION A. G.
Winter pp Rothe

12. März 1937


Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Gertrud Schoenberg Collection

Brief

Zitierhinweis:

Universal-Edition an Arnold Schönberg, 12. März 1937, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.20717.

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