Universal-Edition an Arnold Schönberg
12. März 1937
Universal-Edition·A. G.
WIEN·I·KARLSPLATZ 6
Musikvereinsgebäude / Tel. U 47-5-85
LEIPZIG·KARLSTRASSE 10
TELEGRAMM-ADRESSE: MUSIKEDITION WIEN POSTSPARKASSEN-KONTO WIEN 57557
WIEN·I·KARLSPLATZ 6
Musikvereinsgebäude / Tel. U 47-5-85
LEIPZIG·KARLSTRASSE 10
TELEGRAMM-ADRESSE: MUSIKEDITION WIEN POSTSPARKASSEN-KONTO WIEN 57557
Dir. W./Wi.
Wien, 12.
März 1937.
Herrn
Prof. Arnold Schönberg,
Brentwood Park,
Los Angeles,
Calif.
Hochverehrter Meister!
Zweck dieses Briefes ist, bei Ihnen ganz ergebenst
anzufragen, ob Sie bereit wären, uns Ihr IV. Streichquartett und
das Violinkonzert zum Verlag zu überlassen1. Wir würden uns überaus
freuen, auch weiter Ihre Werke verlegen zu dürfen, nur wissen wir
nicht, ob Sie nicht von amerikanischen Verlegern Angebote haben,
die Ihnen, materiell, wenigstens für den Augenblick, grössere Vor-
teile bringen. Allerdings käme eine Inverlagnahme für uns nur dann
in Frage, wenn Sie uns die Werke gegen Tantiemenzahlungen belassen
würden. Wir sind überzeugt, dass kein anderer Verlag die Werke
schöner herausbringen und sich mehr dafür einsetzen würde, als
die Universal-Edition. Wie immer Ihre Entscheidung ausfällt,
wären wir Ihnen für eine freundliche baldige Benachrichtigung
überaus dankbar.
anzufragen, ob Sie bereit wären, uns Ihr IV. Streichquartett und
das Violinkonzert zum Verlag zu überlassen1. Wir würden uns überaus
freuen, auch weiter Ihre Werke verlegen zu dürfen, nur wissen wir
nicht, ob Sie nicht von amerikanischen Verlegern Angebote haben,
die Ihnen, materiell, wenigstens für den Augenblick, grössere Vor-
teile bringen. Allerdings käme eine Inverlagnahme für uns nur dann
in Frage, wenn Sie uns die Werke gegen Tantiemenzahlungen belassen
würden. Wir sind überzeugt, dass kein anderer Verlag die Werke
schöner herausbringen und sich mehr dafür einsetzen würde, als
die Universal-Edition. Wie immer Ihre Entscheidung ausfällt,
wären wir Ihnen für eine freundliche baldige Benachrichtigung
überaus dankbar.
Wir nehmen an, dass es Ihnen, sehr verehrter
Meister Schönberg, und Ihrer Familie recht gut geht. Aus Wien
ist eigentlich nichts Besonderes zu berichten. Die politischen
Verhältnisse haben sich nach einer einigermassen bewegten Zeit,
die im Vormonat2 anlässlich des Besuches des deutschen Aussen-
ministers Dr. Neurath in Wien herrschte, wieder beruhigt, wenn
auch noch immer um die österreichische Unabhängigkeit im Sinne
Meister Schönberg, und Ihrer Familie recht gut geht. Aus Wien
ist eigentlich nichts Besonderes zu berichten. Die politischen
Verhältnisse haben sich nach einer einigermassen bewegten Zeit,
die im Vormonat2 anlässlich des Besuches des deutschen Aussen-
ministers Dr. Neurath in Wien herrschte, wieder beruhigt, wenn
auch noch immer um die österreichische Unabhängigkeit im Sinne
Schuschnigg’s zu kämpfen ist. Der
Bundeskanzler selbst ist jeden-
falls in dieser Hinsicht unbeugsam.
falls in dieser Hinsicht unbeugsam.
Es wird Sie interessieren, dass Mitte Juni die Urauffüh-
rung3 der „Lulu“ in Zürich stattfindet, und zwar kommen nur die
von Berg vollendeten 2 Akte zur Aufführung, worauf dann der letzte
Satz der „Lulu“-Suite folgen wird. Der Juni-Termin wurde deshalb
gewählt, weil anschliessend daran in Paris das Internationale
Musikfest4 stattfindet und es anzunehmen ist, dass viele Besucher
des Musikfestes gerne vorher in Zürich der 1. oder 2. Aufführung
der „Lulu“ beiwohnen werden.
rung3 der „Lulu“ in Zürich stattfindet, und zwar kommen nur die
von Berg vollendeten 2 Akte zur Aufführung, worauf dann der letzte
Satz der „Lulu“-Suite folgen wird. Der Juni-Termin wurde deshalb
gewählt, weil anschliessend daran in Paris das Internationale
Musikfest4 stattfindet und es anzunehmen ist, dass viele Besucher
des Musikfestes gerne vorher in Zürich der 1. oder 2. Aufführung
der „Lulu“ beiwohnen werden.
Da wir wissen, dass Ihnen auch die Entwicklung der Univer-
sal-Edition nicht gleichgültig ist, erlauben wir uns Ihnen mitzu-
teilen, dass wir vor wenigen Monaten in London eine eigene Firma
unter dem Namen Universal Edition (London) Ltd. aufgemacht haben
und dass unser Herr Dr. Kalmus mit der Leitung unseres Londoner
Hauses betraut wurde.
sal-Edition nicht gleichgültig ist, erlauben wir uns Ihnen mitzu-
teilen, dass wir vor wenigen Monaten in London eine eigene Firma
unter dem Namen Universal Edition (London) Ltd. aufgemacht haben
und dass unser Herr Dr. Kalmus mit der Leitung unseres Londoner
Hauses betraut wurde.
Wir würden uns freuen, bald von Ihnen, hochgeehrter
Meister Schönberg, gute Nachrichten zu erhalten und empfehlen
uns mit verbindlichen freundschaftlichsten Grüssen ganz ergebenst UNIVERSAL-EDITION A. G. Winter pp Rothe
Meister Schönberg, gute Nachrichten zu erhalten und empfehlen
uns mit verbindlichen freundschaftlichsten Grüssen ganz ergebenst UNIVERSAL-EDITION A. G. Winter pp Rothe
zum Verlag zu überlassen
Arnold Schönberg, Concerto for Violin and
Orchestra op. 36 und Arnold
Schönberg, Streichquartett Nr. 4 op. 37 erschienen 1939 im Verlag G.
Schirmer, Inc.
Prinzipielle Einigung über die Inverlagnahme beider Werke bestätigt Schönberg zu Konditionen „50/50 und Sie
bezahlen die Herstellungskosten: kein Vorschuss“ und unter
zwei Bedingungen „1. Nicht der Universal-Edition irgend eine Teilnahme zu gewähren
[Dies bezieht sich auf die kurz zuvor geschlossene Vereinbarung zur
Neubearbeitung der Kammersymphonie Nr.1 für
Orchester op. 9b]. 2. Die Materiale hiezu in Wien von meinem Sohn und Schwiegersohn herstellen zu lassen.“ (Arnold
Schönberg an G. Schirmer, Inc., 1. Jänner 1937; ASCC 2873). Verträge für beide Werke wurden per 12. Mai 1938 geschlossen
(Gertrud Schönberg Collection 26.5; G. Schirmer, Inc.
an Arnold Schönberg, 17. Mai 1938; ASCC 20556).
Vormonat
Der deutsche Außenminister war
22. bis 23.
Februar zu einem Staatsbesuch in Wien, um auf Legalisierung und Regierungsbeteiligung
der in Österreich verbotenen NSDAP
zu drängen (LeMO 2025a). Der
Besuch wurde von Demonstrationen und Kundgebungen
Nationalsozialistischer Parteianhänger einerseits und Vertretern der
Vaterländischen Front andererseits sowie weiterer kleinerer
Gruppierungen begleitet.
Uraufführung
Universal-Edition·A. G.
WIEN·I·KARLSPLATZ 6
Musikvereinsgebäude / Tel. U 47-5-85
LEIPZIG·KARLSTRASSE 10
TELEGRAMM-ADRESSE: MUSIKEDITION WIEN POSTSPARKASSEN-KONTO WIEN 57557
WIEN·I·KARLSPLATZ 6
Musikvereinsgebäude / Tel. U 47-5-85
LEIPZIG·KARLSTRASSE 10
TELEGRAMM-ADRESSE: MUSIKEDITION WIEN POSTSPARKASSEN-KONTO WIEN 57557
Dir. W./Wi.
Wien, 12.
März 1937.
Hochverehrter Meister!
Zweck dieses Briefes ist, bei Ihnen ganz ergebenst anzufragen, ob Sie bereit
wären, uns Ihr IV. Streichquartett und das
Violinkonzert
zum Verlag zu überlassen1. Wir würden uns überaus freuen, auch weiter Ihre Werke verlegen zu
dürfen, nur wissen wir nicht, ob Sie nicht von amerikanischen Verlegern Angebote haben, die Ihnen,
materiell, wenigstens für den Augenblick, grössere Vorteile bringen. Allerdings käme eine Inverlagnahme für uns nur
dann in Frage, wenn Sie uns die Werke gegen Tantiemenzahlungen belassen
würden. Wir sind überzeugt, dass kein anderer Verlag die Werke schöner
herausbringen und sich mehr dafür einsetzen würde, als die Universal-Edition. Wie immer Ihre Entscheidung
ausfällt, wären wir Ihnen für eine freundliche baldige Benachrichtigung
überaus dankbar.
Wir nehmen an, dass es Ihnen, sehr verehrter Meister Schönberg, und Ihrer Familie recht gut geht. Aus
Wien
ist eigentlich nichts Besonderes zu berichten. Die politischen
Verhältnisse haben sich nach einer einigermassen bewegten Zeit, die im
Vormonat2 anlässlich des Besuches des deutschen Aussenministers Dr. Neurath in
Wien herrschte, wieder beruhigt,
wenn auch noch immer um die österreichische Unabhängigkeit im Sinne
Schuschnigg’s zu kämpfen ist. Der
Bundeskanzler selbst ist jedenfalls in dieser Hinsicht unbeugsam.
Es wird Sie interessieren, dass Mitte Juni die Uraufführung3 der „Lulu“ in Zürich stattfindet,
und zwar kommen nur die von Berg
vollendeten 2 Akte zur Aufführung, worauf dann der letzte Satz der „Lulu“-Suite folgen wird. Der Juni-Termin wurde
deshalb gewählt, weil anschliessend daran in Paris das Internationale
Musikfest4 stattfindet und es anzunehmen ist, dass viele Besucher
des Musikfestes gerne vorher in Zürich der 1. oder 2. Aufführung der „Lulu“ beiwohnen werden.
Da wir wissen, dass Ihnen auch die Entwicklung der Universal-Edition nicht gleichgültig ist, erlauben wir
uns Ihnen mitzuteilen, dass wir vor wenigen Monaten in London eine eigene Firma unter dem Namen
Universal Edition (London) Ltd. aufgemacht haben und dass unser Herr Dr.
Kalmus mit der Leitung unseres
Londoner
Hauses betraut wurde.
Wir würden uns freuen, bald von Ihnen, hochgeehrter
Meister Schönberg, gute Nachrichten zu erhalten und empfehlen
uns mit verbindlichen freundschaftlichsten Grüssen ganz ergebenst
UNIVERSAL-EDITION A. G.
Winter pp Rothe
Meister Schönberg, gute Nachrichten zu erhalten und empfehlen
uns mit verbindlichen freundschaftlichsten Grüssen ganz ergebenst
UNIVERSAL-EDITION A. G.
Winter pp Rothe
zum Verlag zu überlassen
Arnold Schönberg, Concerto for Violin and
Orchestra op. 36 und Arnold
Schönberg, Streichquartett Nr. 4 op. 37 erschienen 1939 im Verlag G.
Schirmer, Inc.
Prinzipielle Einigung über die Inverlagnahme beider Werke bestätigt Schönberg zu Konditionen „50/50 und Sie
bezahlen die Herstellungskosten: kein Vorschuss“ und unter
zwei Bedingungen „1. Nicht der Universal-Edition irgend eine Teilnahme zu gewähren
[Dies bezieht sich auf die kurz zuvor geschlossene Vereinbarung zur
Neubearbeitung der Kammersymphonie Nr.1 für
Orchester op. 9b]. 2. Die Materiale hiezu in Wien von meinem Sohn und Schwiegersohn herstellen zu lassen.“ (Arnold
Schönberg an G. Schirmer, Inc., 1. Jänner 1937; ASCC 2873). Verträge für beide Werke wurden per 12. Mai 1938 geschlossen
(Gertrud Schönberg Collection 26.5; G. Schirmer, Inc.
an Arnold Schönberg, 17. Mai 1938; ASCC 20556).
Vormonat
Der deutsche Außenminister war
22. bis 23.
Februar zu einem Staatsbesuch in Wien, um auf Legalisierung und Regierungsbeteiligung
der in Österreich verbotenen NSDAP
zu drängen (LeMO 2025a). Der
Besuch wurde von Demonstrationen und Kundgebungen
Nationalsozialistischer Parteianhänger einerseits und Vertretern der
Vaterländischen Front andererseits sowie weiterer kleinerer
Gruppierungen begleitet.
Uraufführung
Zitierhinweis:
Universal-Edition an Arnold Schönberg, 12. März 1937, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.20717.