Lieber Herr Schönberg!
An Fried habe ich geschrieben, und Ihre Orchesterlieder sind
an ihn abgegangen. Die Klavierlieder sind in Stich1 gegeben. Mit
Rosé und mit Ihnen sind auch wir der Meinung, dass es sehr vor-
teilhaft sein wird Ihr Quartett bis zur Aufführung2 im Februar fer-
tig zu stellen
3. Ihre Kammersinfonie habe ich übrigens dem Fried
angezeigt. Sie täten gut, wenn Sie mir die Partitur4, sobald Sie sie
werden entbehren können, einschicken würden. Für ausserordentlich
notwendig halte ich es einen Klavierauszug5 zu zwei oder zu vier
Händen beizulegen. Was die andere Möglichkeit der Aufführung Ihrer
sinfonischen Dichtung anbelangt, so stehe ich ihr sehr skeptisch
gegenüber. Man pflegt zu sagen: „Besser etwas als garnichts“;
aber ich glaube, dass man in diesem Fall sagen muss: „Besser
garnichts als so etwas“. Ich würde Ihnen raten die Einwilligung
zu einer Aufführung an dieser Stelle nur zu geben, wenn die Lei-
tung einem ganz hervorragenden Kapellmeister anvertraut würde. Das
Orchester nämlich/ das Neue Sinfonieorchester/ ist sehr minderwer-
tig, und der angestammte Dirigent ein Asinus, wie Beethoven sagt6. Was
die sofortige Herstellung der Partitur Ihrer Kammersinfonie anbelangt,
so müsste ich mir eine Entscheidung darüber noch vorbehalten.

Ueber die Regelung Ihres Darlehensverhältnisses werde ich demnächst
mit Herr Peters Rücksprache nehmen. Die Sache pressiert ja einst-
weilen noch nicht so sehr, und die Versicherung, dass sie so oder
so in einer Ihnen passenden Weise erledigt werden wird, habe ich
Ihnen ja bereits gegeben.
So – nun denke ich alle Ihre Fragen gewissenhaft beantwortet
zu haben.
Mit besten Grüssen von Haus zu Haus
Ihr

Max Marschalk
Ich schicke Ihnen anbei die Kritik der Nationalzeitung7 und bit-
te Sie mir bald sämtliche Kritiken8 zurück zu schicken; ich habe näm-
lich die Absicht nächstens einmal eine Annonce in der Musik los zu
lassen.
Lieber Herr Schönberg!
An Fried habe ich geschrieben, und Ihre Orchesterlieder sind an ihn abgegangen. Die Klavierlieder sind in Stich1 gegeben. Mit Rosé und mit Ihnen sind auch wir der Meinung, dass es sehr vorteilhaft sein wird Ihr Quartett bis zur Aufführung2 im Februar fertig zu stellen3. Ihre Kammersinfonie habe ich übrigens dem Fried angezeigt. Sie täten gut, wenn Sie mir die Partitur4, sobald Sie sie werden entbehren können, einschicken würden. Für ausserordentlich notwendig halte ich es einen Klavierauszug5 zu zwei oder zu vier Händen beizulegen. Was die andere Möglichkeit der Aufführung Ihrer sinfonischen Dichtung anbelangt, so stehe ich ihr sehr skeptisch gegenüber. Man pflegt zu sagen: „Besser etwas als garnichts“; aber ich glaube, dass man in diesem Fall sagen muss: „Besser garnichts als so etwas“. Ich würde Ihnen raten die Einwilligung zu einer Aufführung an dieser Stelle nur zu geben, wenn die Leitung einem ganz hervorragenden Kapellmeister anvertraut würde. Das Orchester nämlich/ das Neue Sinfonieorchester/ ist sehr minderwertig, und der angestammte Dirigent ein Asinus, wie Beethoven sagt6. Was die sofortige Herstellung der Partitur Ihrer Kammersinfonie anbelangt, so müsste ich mir eine Entscheidung darüber noch vorbehalten.
Ueber die Regelung Ihres Darlehensverhältnisses werde ich demnächst mit Herr Peters Rücksprache nehmen. Die Sache pressiert ja einstweilen noch nicht so sehr, und die Versicherung, dass sie so oder so in einer Ihnen passenden Weise erledigt werden wird, habe ich Ihnen ja bereits gegeben.
So – nun denke ich alle Ihre Fragen gewissenhaft beantwortet zu haben.
Mit besten Grüssen von Haus zu Haus Ihr
Max Marschalk
Ich schicke Ihnen anbei die Kritik der Nationalzeitung7 und bitte Sie mir bald sämtliche Kritiken8 zurück zu schicken; ich habe nämlich die Absicht nächstens einmal eine Annonce in der Musik los zu lassen.

zwischen 30. Oktober 1906 und 13. Dezember 1906


Datierung erschlossen: Am 30. Oktober besitzt Max Marschalk die beigelegte Zeitung noch nicht (vgl.Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, 30. Oktober 1906), die erwähnte Herstellung der Quartettpartitur konkretisiert sich in Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, 13. Dezember 1906 weiter; Beilage: National-Zeitung Berlin, 26. Oktober 1906

The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief

Zitierhinweis:

Verlag Dreililien an Arnold Schönberg, zwischen 30. Oktober und 13. Dezember 1906, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.21437.

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