24/2.1914
Lieber Herr Direktor, mit Ihrer Antwort
bezüglich der Harmonielehre kann ich mich
nicht einverstanden erklären. So war der
V neue Vertrag keinesfalls gemeint und
ich führe als Beweis dafür, dass wir ihn
anders verstanden haben, folgendes an:
I.) Sie erinnern sich, meine Frau fragte,
was denn geschehe, wenn die abzuziehende
Summe von 7000 Kronen nicht durch den
Verkauf hereinkäme und da wies ich darauf
hin, dass ja die Harmonielehre allein mehr
einbringe!
II. Bekäme ich ja dann von der Harmonielehre
nichts, wenn z. Bsp eine Neu-auflage [erscheint], erst
wieder etwas, wenn die Kosten abgetragen sind und
das ist doch ganz gegen den Sinn unseres neuen
Vertrages, den ich unter der Voraussetzung beschloss,
dass ich auf Vorschüsse verzichten kann, weil die
Gesamtvorschüsse in Jahresraten abgezogen werden
und ich also den größten Teil meiner Tantièmen

bar bekomme. Das würde aber doch illusorisch
werden, wenn Ihre Auffassung richtig wäre.
(Es ist Schade, dass wir davon nicht gesprochen
haben. Ich habe daran vergessen und Sie waren
offenbar zu müde. Jedenfalls aber muss das
geordnet werden. Ich hoffe, Sie kommen
für einige Tage nach Leipzig und wir finden
dort Gelegenheit uns über diesen Punkt zu
einigen.)
III. Als weiteren Beweis führe ich an, dass wir
als Vorschuss * die Summe von 7000 Kronen“ nannten,
die aber erst durch die Harmonielehre erreicht wäre!
IV. Aber außerdem hätte die Abmachung:
„es wird nur ein Konto geführt“ dann ja
gar keinen Sinn. Es werden dann ja doch
2 Kontos geführt!!!!!
Ich hoffe, Sie kommen bestimmt nach
Leipzig und bitte Sie, mir Nachricht darüber
zu geben! Die Aufführung1 dürfte, trotzdem

das Orchester viel schlechter als das Wiener ist
und obwohl die Chöre weniger Glanz haben,
doch recht gut werden!
Jedenfalls sollten Sie dabei sein, schon
aus Interesse für mich!! Ich wäre wirklich
böse, wenn Sie nicht kämen.
Generalprobe 5. abends 6 Uhr
Aufführung 6.
Eine Bitte:
  • 1) Kann ich einen gebundenen Gurrelieder
    Auszug (für meine Tochter, die ich mit ins
    Konzert nehme) bekommen?
  • 2) und einigeBerg-Führerkleine
    Ausgabe
    2.
Den Pierrot werde ich erst nach dem 14/33
korrigieren können!
Möchten Sie nicht bald den Stich des Mono-
drams
und der George-Lieder beginnen.
Herzl Gruß Schönberg
24/2.[?]1914
Lieber Herr Direktor, mit Ihrer Antwort bezüglich der Harmonielehre kann ich mich nicht einverstanden erklären. So war der neue Vertrag keinesfalls gemeint und ich führe als Beweis dafür, dass wir ihn anders verstanden haben, folgendes an:
I.) Sie erinnern sich, meine Frau fragte, was denn geschehe, wenn die abzuziehende Summe von 7000 Kronen nicht durch den Verkauf hereinkäme und da wies ich darauf hin, dass ja die Harmonielehre allein mehr einbringe!
II. Bekäme ich ja dann von der Harmonielehre , wenn z. Bsp eine Neu-auflage erscheint, erst wieder etwas, wenn die Kosten abgetragen sind und das ist doch ganz gegen den Sinn unseres neuen Vertrages, den ich unter der Voraussetzung beschloss, dass ich auf Vorschüsse verzichten kann, weil die Gesamtvorschüsse in Jahresraten abgezogen werden und ich also den größten Teil meiner Tantièmen bar bekomme. Das würde aber doch illusorisch werden, wenn Ihre Auffassung richtig wäre.
(Es ist Schade, dass wir davon nicht gesprochen haben. Ich habe daran[?] vergessen und Sie waren offenbar zu müde. Jedenfalls aber muss das geordnet werden. Ich hoffe, Sie kommen für einige Tage nach Leipzig und wir finden dort Gelegenheit uns über diesen Punkt zu einigen.)
III. Als weiteren Beweis führe ich an, dass wir als Vorschuss die Summe von 7000 Kronen“ nannten, die aber erst durch die Harmonielehre erreicht wäre!
IV. Aber außerdem hätte die Abmachung: „es wird nur ein Konto geführt“ dann ja gar keinen Sinn. Es werden dann ja doch 2 Kontos geführt!!!!!
Ich hoffe, Sie kommen bestimmt nach Leipzig und bitte Sie, mir Nachricht darüber zu geben! Die Aufführung1 dürfte, trotzdem das Orchester viel schlechter als das Wiener ist und obwohl die Chöre weniger Glanz haben, doch recht gut werden!
Jedenfalls sollten Sie dabei sein, schon aus Interesse für mich!! Ich wäre wirklich böse, wenn Sie nicht kämen.
Generalprobe 5. abends 6 Uhr
Aufführung 6.
Eine Bitte:
  • 1) Kann ich einen gebundenen Gurrelieder Auszug (für meine Tochter, die ich mit ins Konzert nehme) bekommen?
  • 2) und einigeBerg-Führerkleine Ausgabe2.
Den Pierrot werde ich erst nach dem 14/33 korrigieren können!
Möchten Sie nicht bald den Stich des Monodrams und der George-Lieder beginnen.
Herzl Gruß Schönberg

24. Februar 1914 (unsicher)


Ort erschlossen aus Arnold Schönberg an Hans Nachod, 24. Februar 1914 (ASCC 6650); dieser Brief wurde versehentlich nicht abgeschickt und stattdessen vermutlich als Beilage zu Arnold Schönberg an Universal-Edition, 27. März 1914 nachgereicht. Universal-Edition an Arnold Schönberg, 28. März 1914 bestätigt das schwer leserliche Datum.

The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection



Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 24. Februar 1914, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.394.

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