Arnold Schönberg an Universal-Edition
19. Oktober 1915
, ich muss Ihnen heute endlich mit einigen
Beschwerden kommen, die ich schon lange herumtrage.
Beschwerden kommen, die ich schon lange herumtrage.
I. Im Jänner 1914 hatten wir in Berlin fix abgemacht1,
dass alle meine noch rückständigen ungedruckten Werke2 bis Ende 1915
gedruckt zu sein haben. Sie hatten sich dazu verpflichtet, wie Sie sich
erinnern werden, weil das meine wichtigste Bedingung war, und
wir hatten haben uns nicht früher einigen können, ehe Sie diesen
Punkt angenommen hatten.
dass alle meine noch rückständigen ungedruckten Werke2 bis Ende 1915
gedruckt zu sein haben. Sie hatten sich dazu verpflichtet, wie Sie sich
erinnern werden, weil das meine wichtigste Bedingung war, und
wir hatten haben uns nicht früher einigen können, ehe Sie diesen
Punkt angenommen hatten.
Ich wollte Sie während des Krieges an diese Verpflichtung nicht er-
innern, weil alles ja so sehr über den Krieg jammert, und ich nahm
an, dass es für Sie jetzt schwierig sei, alles zu drucken.
innern, weil alles ja so sehr über den Krieg jammert, und ich nahm
an, dass es für Sie jetzt schwierig sei, alles zu drucken.
Nun aber sehe und höre ich, dass Sie ja doch alles Mögliche ernten
und sogar sehr große Unternehmungen während des Krieges voll be-
treiben, so als ob nichts los wäre und da ich wirklich nicht nach
dem Krieg wieder warten will und außerdem jetzt Zeit zum Korrek-
turen lesen habe, ist meine Rücksicht wohl recht unangebracht und ich sehe
mich genötigt, mein Interesse zu wahren.
und sogar sehr große Unternehmungen während des Krieges voll be-
treiben, so als ob nichts los wäre und da ich wirklich nicht nach
dem Krieg wieder warten will und außerdem jetzt Zeit zum Korrek-
turen lesen habe, ist meine Rücksicht wohl recht unangebracht und ich sehe
mich genötigt, mein Interesse zu wahren.
Daher möchte ich Sie bitten, im Sinn unserer Vereinbarungen
gleich jetzt mit der Drucklegung meiner Werke zu beginnen und
sie so zu beschleunigen, dass doch einigermaßen der vereinbarte Zeit-
punkt eingehalten wird.
gleich jetzt mit der Drucklegung meiner Werke zu beginnen und
sie so zu beschleunigen, dass doch einigermaßen der vereinbarte Zeit-
punkt eingehalten wird.
II. Nun einige Beschwerden über meine Abrechnungen.
1. In der letzten Abrechnung fehlt noch immer das Amster-
damer Gurrelieder-Material3
damer Gurrelieder-Material3
2. Ebenso fehlen Tantiemenanteile über Kammersymphonie
Materiale vollständig: insbesondere über eine italienische und
eine Kopenhagner Aufführung.
Materiale vollständig: insbesondere über eine italienische und
eine Kopenhagner Aufführung.
3. Schon vor dem Krieg hat man mir einen englischen Ka-
talog Ihres Verlags gezeigt und mich darauf aufmerksam gemacht
(was auch aus diesem Katalog ersichtlich ist) dass Sie im Ausland
talog Ihres Verlags gezeigt und mich darauf aufmerksam gemacht
(was auch aus diesem Katalog ersichtlich ist) dass Sie im Ausland
meine Werke zu einem
verdoppeltem Ladenpreis verkaufen. Da ich
nun Anspruch auf Anteile des Ladenpreises habe, so handelt es
sich hier wohl nur um ein Versehen Ihrer Buchhaltung. Aber da
ja ein sehr sehr großer Teil meiner gesammten Erträgnisse aus
dem Ausland stammt, muss ich Sie bitten, das recht genau richtig-
stellen zu lassen und mir vielleicht am besten bei künftigen
Abrechnungen das Ausland extra anzusetzen. Ich wollte schon
lange davon sprechen, habe aber immer vergessen.
nun Anspruch auf Anteile des Ladenpreises habe, so handelt es
sich hier wohl nur um ein Versehen Ihrer Buchhaltung. Aber da
ja ein sehr sehr großer Teil meiner gesammten Erträgnisse aus
dem Ausland stammt, muss ich Sie bitten, das recht genau richtig-
stellen zu lassen und mir vielleicht am besten bei künftigen
Abrechnungen das Ausland extra anzusetzen. Ich wollte schon
lange davon sprechen, habe aber immer vergessen.
4. Nun eine Sache über die ich sehr böse bin und zu der ich
noch nicht einmal Stellung nehmen kann, weil ich noch gar nicht weiß,
in welcher Form ich von Ihnen da entschädigt werden kann:
noch nicht einmal Stellung nehmen kann, weil ich noch gar nicht weiß,
in welcher Form ich von Ihnen da entschädigt werden kann:
Sie haben, ohne mich zu fragen, in Ihr letztes Album4 (das
ich durch Zufall kennen lernte) zwei Stücke5 aus meinen Gurre-
liedern aufgenommen. Da der Preis des ganzen Albums kaum
viel teurer ist (im Verhältnis) als die beiden Stücke zusammen
kosten, wird es keinem Menschen mehr einfallen, die einzeln
zu kaufen und ich gehe somit eines Einkommens verlustig, von
dem ich mir viel versprochen habe.
ich durch Zufall kennen lernte) zwei Stücke5 aus meinen Gurre-
liedern aufgenommen. Da der Preis des ganzen Albums kaum
viel teurer ist (im Verhältnis) als die beiden Stücke zusammen
kosten, wird es keinem Menschen mehr einfallen, die einzeln
zu kaufen und ich gehe somit eines Einkommens verlustig, von
dem ich mir viel versprochen habe.
Ich muss Sie bitten, mir hier selbst Vorschläge zu machen,
wie Sie mich da entschädigen wollen.
wie Sie mich da entschädigen wollen.
Es tut mir sehr leid, dass ich Ihnen mit sovielen Klagen
kommen muss. Aber, da es sich um so Wichtiges und auch um viel
Geld dreht, bin ich überzeugt, Sie sehen mich nicht als Querulanten
an, sondern behandeln alle diese Fragen mit derselben Freundschaft-
lichkeit, die ja stets bei uns zum Ziele geführt hat. Ich glaube auch, dass
Sie anerkennen werden, dass meine Aussetzungen und Ansprüche gerecht
sind und bin sicher, dass wir ohne Aufregungen im herzlichen Einver-
nehmen, die verschiedenen Uebersehen, Rückstände und Miss-
griffe ins Reine bringen werden.
kommen muss. Aber, da es sich um so Wichtiges und auch um viel
Geld dreht, bin ich überzeugt, Sie sehen mich nicht als Querulanten
an, sondern behandeln alle diese Fragen mit derselben Freundschaft-
lichkeit, die ja stets bei uns zum Ziele geführt hat. Ich glaube auch, dass
Sie anerkennen werden, dass meine Aussetzungen und Ansprüche gerecht
sind und bin sicher, dass wir ohne Aufregungen im herzlichen Einver-
nehmen, die verschiedenen Uebersehen, Rückstände und Miss-
griffe ins Reine bringen werden.
Mit vielen herzlichen Grüßen Ihr
Arnold Schönberg
abgemacht
Vgl. Vertrag, 14. Jänner 1914.
Werke
Laut Vertrag 1914 zu drucken: Fünfzehn Gedichte
aus „Das Buch der hängenden Gärten“ von Stefan George
op. 15; Erwartung op. 17; Herzgewächse op. 20; Dreimal sieben Gedichte aus Albert Girauds „Lieder
des Pierrot lunaire“ op. 21. 1915 zu
drucken: 2 Balladen op. 12; Die glückliche Hand op. 18; Vier Lieder für Gesang und Orchester op.
22: Seraphita op. 22/1. Zu den im Vertrag genannten 5 Liedern
gehören Zwei Lieder für Gesang und Klavier op.
14; Am Strande.
Amsterdamer
Gurrelieder-Material
Der Vorstand des
Chorvereines Gesellschaft zur Beförderung der
Tonkunst knüpfte die Realisierung einer Gurre-Lieder-Aufführung in Amsterdam an die Bedingung, das
Orchester- und Chormaterial nicht leihweise, sondern käuflich zu
erwerben. Schönberg hielt im
Sommer Proben ab, die Aufführung
fand kriegsbedingt jedoch nicht statt (Willem Mengelberg an Arnold
Schönberg, 4. März 1914; ASCC 14249; Algemeen Handelsblad 1914).
Album
Excelsior: 100 musikalische
Erfolge, Bd. 3, Wien 1915, U. E. 3800 (Exemplar aus dem
Schönberg-Nachlass; SCO E2).
zwei Stücke
Das Excelsior-Album Bd. 3
enthält: Arnold Schönberg/Alban Berg, So tanzen
die Engel.
, ich muss Ihnen heute endlich mit einigen Beschwerden kommen, die ich schon
lange herumtrage.
I. Im Jänner 1914 hatten wir in Berlin fix abgemacht1, dass alle meine noch rückständigen
ungedruckten Werke2 bis Ende 1915
gedruckt zu sein haben. Sie hatten sich dazu verpflichtet, wie Sie sich
erinnern werden, weil das meine wichtigste Bedingung war, und wir haben uns nicht früher einigen können, ehe Sie
diesen Punkt angenommen hatten.
Ich wollte Sie während des Krieges an diese Verpflichtung nicht erinnern, weil alles ja so sehr über den Krieg jammert, und ich
nahm an, dass es für Sie jetzt schwierig sei, alles zu drucken.
Nun aber sehe und höre ich, dass Sie ja doch alles Mögliche ernten und sogar
sehr große Unternehmungen während des Krieges voll betreiben, so als ob nichts los wäre und da ich wirklich nicht
nach dem Krieg wieder warten will und außerdem jetzt Zeit zum Korrekturen lesen habe, ist meine Rücksicht wohl recht unangebracht
und ich sehe mich genötigt, mein Interesse zu wahren.
Daher möchte ich Sie bitten, im Sinn unserer Vereinbarungen
gleich jetzt mit der Drucklegung meiner Werke zu
beginnen und sie so zu beschleunigen, dass doch einigermaßen der
vereinbarte Zeitpunkt eingehalten wird.
II. Nun einige Beschwerden über meine Abrechnungen.
1. In der letzten Abrechnung fehlt noch immer das Amsterdamer
Gurrelieder-Material3
2. Ebenso fehlen Tantiemenanteile über Kammersymphonie
Materiale vollständig: insbesondere über eine italienische und eine Kopenhagner Aufführung.
3. Schon vor dem Krieg hat man mir einen englischen Katalog Ihres Verlags gezeigt und mich darauf aufmerksam gemacht
(was auch aus diesem Katalog ersichtlich ist) dass Sie im Ausland meine Werke zu
verdoppeltem Ladenpreis verkaufen. Da ich nun Anspruch auf Anteile des
Ladenpreises habe, so handelt es sich hier wohl nur um ein Versehen Ihrer
Buchhaltung. Aber da ja ein sehr sehr großer Teil meiner gesammten
Erträgnisse aus dem Ausland stammt, muss ich Sie bitten, das recht genau
richtigstellen zu lassen und mir vielleicht am besten bei künftigen
Abrechnungen das Ausland extra anzusetzen. Ich wollte schon lange
davon sprechen, habe aber immer vergessen.
4. Nun eine Sache über die ich sehr böse bin und zu der ich noch nicht
einmal Stellung nehmen kann, weil ich noch gar
nicht weiß, in welcher Form ich von Ihnen da entschädigt werden kann:
Sie haben, ohne mich zu fragen, in Ihr letztes Album4 (das ich durch Zufall kennen lernte) zwei Stücke5 aus meinen Gurreliedern aufgenommen. Da der Preis des ganzen Albums
kaum viel teurer ist (im Verhältnis) als die beiden Stücke zusammen
kosten, wird es keinem Menschen mehr einfallen, die einzeln zu kaufen
und ich gehe somit eines Einkommens verlustig, von dem ich mir viel
versprochen habe.
Ich muss Sie bitten, mir hier selbst Vorschläge zu machen, wie Sie mich da
entschädigen wollen.
Es tut mir sehr leid, dass ich Ihnen mit sovielen Klagen kommen muss. Aber,
da es sich um so Wichtiges und auch um viel Geld dreht, bin ich überzeugt,
Sie sehen mich nicht als Querulanten an, sondern behandeln alle diese
Fragen mit derselben Freundschaftlichkeit, die ja stets bei uns zum Ziele geführt hat. Ich glaube
auch, dass Sie anerkennen werden, dass meine Aussetzungen und Ansprüche
gerecht sind und bin sicher, dass wir ohne Aufregungen im herzlichen
Einvernehmen, die verschiedenen Uebersehen, Rückstände und Missgriffe ins Reine bringen werden.
Mit vielen herzlichen Grüßen Ihr
Arnold Schönberg
abgemacht
Vgl. Vertrag, 14. Jänner 1914.
Werke
Laut Vertrag 1914 zu drucken: Fünfzehn Gedichte
aus „Das Buch der hängenden Gärten“ von Stefan George
op. 15; Erwartung op. 17; Herzgewächse op. 20; Dreimal sieben Gedichte aus Albert Girauds „Lieder
des Pierrot lunaire“ op. 21. 1915 zu
drucken: 2 Balladen op. 12; Die glückliche Hand op. 18; Vier Lieder für Gesang und Orchester op.
22: Seraphita op. 22/1. Zu den im Vertrag genannten 5 Liedern
gehören Zwei Lieder für Gesang und Klavier op.
14; Am Strande.
Amsterdamer
Gurrelieder-Material
Der Vorstand des
Chorvereines Gesellschaft zur Beförderung der
Tonkunst knüpfte die Realisierung einer Gurre-Lieder-Aufführung in Amsterdam an die Bedingung, das
Orchester- und Chormaterial nicht leihweise, sondern käuflich zu
erwerben. Schönberg hielt im
Sommer Proben ab, die Aufführung
fand kriegsbedingt jedoch nicht statt (Willem Mengelberg an Arnold
Schönberg, 4. März 1914; ASCC 14249; Algemeen Handelsblad 1914).
Album
Excelsior: 100 musikalische
Erfolge, Bd. 3, Wien 1915, U. E. 3800 (Exemplar aus dem
Schönberg-Nachlass; SCO E2).
zwei Stücke
Das Excelsior-Album Bd. 3
enthält: Arnold Schönberg/Alban Berg, So tanzen
die Engel.
19. Oktober 1915
Ort erschlossen; Datierung erschlossen aus Universal-Edition an Arnold Schönberg, 25. Oktober 1915
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief, Kopie
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 19. Oktober 1915, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.461.