September 27. 1948
Herrn
Wien I.,
Lieber Herr Schlee!
Sie haben mich einmal gefragt ob es wa[h]r ist
dass ich mit der Universal Edition[s] gänzlich ver-
kracht bin. Sie wissen wohl selbst dass das nicht der
Fall ist trotzdem aber, stehen zwischen uns Pro-
bleme an deren Lösung endlich herangegangen werden
muss.
1) Die Universal Edition hat, wie mir nun klar
ist, keine gedruckten Exemplare meiner Werke vor-
rätig. Wahrscheinlich sind diese, wie die Platten,
in der vergangenen Zeit zerstört worden und Neuher-
stellung ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.
Handelt es sich doch nicht nur um Partituren und
Stimmen die mit grosser Mühe in vielen Aufführungen
korrigiert worden sind. Das ist eine so weitgehende
Schädigung, dass ich wa[h]rscheinlich gezwungen sein werde
die mir zustehenden Konsequenzen zu ziehen. Ich
kann nicht länger darauf warten meine Werke zu ver-
breiten und ich muss von meiner 50 jä[h]rigen Arbeit ein
Erträgnis haben.
2) Ich muss auch endlich die Frage von meiner
Oper „Von Heute auf Morgen“ diskutieren. Ich habe
Ihnen seinerzeit das gesamte Material: Partituren1,
Klavierauszüge2, 2 Sets gespielte Stimmen3 und die ori-
ginal Matrizen4 in Kommision übergeben. Was ist mit
diesem, meinem Eigentum geschehen?
3) Sie haben vor längerer Zeit eine Abrechnung
geschickt und Auszahlung in Aussicht gestellt.
Nichts aber ist gefolgt.
Ich sehe Ihrer ausführlichen Antwort entgegen
und bin mit besten Grüssen, Ihr,

R. H.
September 27. 1948
Herrn
Wien I.,
Lieber Herr Schlee!
Sie haben mich einmal gefragt ob es wahr ist dass ich mit der Universal Edition gänzlich verkracht bin. Sie wissen wohl selbst dass das nicht der Fall ist trotzdem aber, stehen zwischen uns Probleme an deren Lösung endlich herangegangen werden muss.
1) Die Universal Edition hat, wie mir nun klar ist, keine gedruckten Exemplare meiner Werke vorrätig. Wahrscheinlich sind diese, wie die Platten, in der vergangenen Zeit zerstört worden und Neuherstellung ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Handelt es sich doch nicht nur um Partituren und Stimmen die mit grosser Mühe in vielen Aufführungen korrigiert worden sind. Das ist eine so weitgehende Schädigung, dass ich wahrscheinlich gezwungen sein werde die mir zustehenden Konsequenzen zu ziehen. Ich kann nicht länger darauf warten meine Werke zu verbreiten und ich muss von meiner 50 jährigen Arbeit ein Erträgnis haben.
2) Ich muss auch endlich die Frage von meiner Oper „Von Heute auf Morgen“ diskutieren. Ich habe Ihnen seinerzeit das gesamte Material: Partituren1, Klavierauszüge2, 2 Sets gespielte Stimmen3 und die original Matrizen4 in Kommision übergeben. Was ist mit diesem, meinem Eigentum geschehen?
3) Sie haben vor längerer Zeit eine Abrechnung geschickt und Auszahlung in Aussicht gestellt. Nichts aber ist gefolgt.
Ich sehe Ihrer ausführlichen Antwort entgegen und bin mit besten Grüssen, Ihr,
R. H.

27. September 1948


Ort erschlossen

The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection


Brief, Kopie

Zitierhinweis:

Arnold Schönberg an Universal-Edition, 27. September 1948, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.4770.

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