Arnold Schönberg an Universal-Edition
12. August 1929
Lieber Herr Direktor,
wegen angestrengtester Arbeit bin ich
bis heute nicht dazu gelangt, Ihren Brief vom 15. Juli zu beantwor-
ten. Ich benütze die erste freie Stunde hiezu.
bis heute nicht dazu gelangt, Ihren Brief vom 15. Juli zu beantwor-
ten. Ich benütze die erste freie Stunde hiezu.
Der von Ihnen und Herrn Stein unterzeich-
nete Brief der Orchesterabteilung erbringt den Beweis, dass eine
noch so angestrengte Propagandatätigkeit für meine Werke unterble
erfolglos bleiben muss, weil die UE, die den Markt seit Jahren mit leich-
ter Ware überschwemmt, eben mit diesen Werken, welche leicht aufzu-
führen sind, meinen Werken eine Konkurrenz macht, gegen die sie nicht
aufkommen können. Wenn nun die UE von den Erträgnissen meiner Wer-
ke unbefriedigt ist, so bin ich es selbstverständlich noch viel mehr,
kann aber die Tatsache nicht unerwähnt lassen, dass nicht alle Au-
toren der UE grössere Erträgnisse einbringen und andererseits die
UE wohl die Erfahrung gemacht hat, dass alle meine Werke schliess-
lich in Gang kommen, ein Risiko sich also lohnt. Wenn nun aber die
UE, wie sie selbst es mir vielemale gesagt haben, nicht in der Lage
ist, mir für meine Werke ein, der Herstellungsmühe und dem Einsatz
an Lebenskraft entsprechendes Ert[r]ägnis zu sichern oder ein dem
entsprechendes Honorar zu zahlen, wenn, wie Sie selbst sagen nur ein
Mäcen mich annähernd so stellen kann, wie es mir gebührt (oder wie
ich mir erlauben möchte zu bemerken: ein Verleger, der sich nicht
auf zu vielen Seiten gebunden hat) warum, frage ich, warum, will mich
nete Brief der Orchesterabteilung erbringt den Beweis, dass eine
noch so angestrengte Propagandatätigkeit für meine Werke unterble
erfolglos bleiben muss, weil die UE, die den Markt seit Jahren mit leich-
ter Ware überschwemmt, eben mit diesen Werken, welche leicht aufzu-
führen sind, meinen Werken eine Konkurrenz macht, gegen die sie nicht
aufkommen können. Wenn nun die UE von den Erträgnissen meiner Wer-
ke unbefriedigt ist, so bin ich es selbstverständlich noch viel mehr,
kann aber die Tatsache nicht unerwähnt lassen, dass nicht alle Au-
toren der UE grössere Erträgnisse einbringen und andererseits die
UE wohl die Erfahrung gemacht hat, dass alle meine Werke schliess-
lich in Gang kommen, ein Risiko sich also lohnt. Wenn nun aber die
UE, wie sie selbst es mir vielemale gesagt haben, nicht in der Lage
ist, mir für meine Werke ein, der Herstellungsmühe und dem Einsatz
an Lebenskraft entsprechendes Ert[r]ägnis zu sichern oder ein dem
entsprechendes Honorar zu zahlen, wenn, wie Sie selbst sagen nur ein
Mäcen mich annähernd so stellen kann, wie es mir gebührt (oder wie
ich mir erlauben möchte zu bemerken: ein Verleger, der sich nicht
auf zu vielen Seiten gebunden hat) warum, frage ich, warum, will mich
dann die UE zwingen, ihr meine Werke (von deren Unrentabilität
sie
überzeugt ist[)], zum Verlag zu übergeben? Und warum darüber hinaus,
wendet sie sogar durchaus unhaltbare Repressalien an, wenn ich
mich nicht bereit finde, ihr ein Werk zum Fünftel des Betrages der
mir anderweitig angeboten war1, zu überlassen.
überzeugt ist[)], zum Verlag zu übergeben? Und warum darüber hinaus,
wendet sie sogar durchaus unhaltbare Repressalien an, wenn ich
mich nicht bereit finde, ihr ein Werk zum Fünftel des Betrages der
mir anderweitig angeboten war1, zu überlassen.
Könnte ich selbst an den guten Willen der UE in
anderer Hinsicht bis zu einem gewissen Grad glauben, so beweist
dieses Verhalten mir: bösen Willen und Sie werden schwer aufklä-
ren können, zu welchem Zweck Sie mir meine unrentablen Werke ab-
zwingen wollen.
anderer Hinsicht bis zu einem gewissen Grad glauben, so beweist
dieses Verhalten mir: bösen Willen und Sie werden schwer aufklä-
ren können, zu welchem Zweck Sie mir meine unrentablen Werke ab-
zwingen wollen.
Ich bin augenblicklich zu müde, um mich mit dem
Streit um die Sperre meines Kontos2 zu befassen und brauche au[h]gen-
blicklich Geld nur zu durchaus aufschiebbaren Anschaffungen für mei-
ne Wohnung. Aber, obwohl ich hoffe, dass sich die UE bis dahin eines
Besseren besinnen wird; und obwohl ich versichern kann, dass dieser
Versuch, mich in die Knie zu zwingen, fehlschlagen wird, so kann ich
Ihnen doch schon jetzt sagen, dass ich im Herbst unbedingt eine
Regelung dieser Frage anstreben werde, über deren Ausgang kein
Zweifel denkbar ist. Es täte mir leid, und ich bin gewiss bis zum Äu-
ssersten entgegengekommen: aber wenns sein muss, solls an mir nicht
fehlen!
Streit um die Sperre meines Kontos2 zu befassen und brauche au[h]gen-
blicklich Geld nur zu durchaus aufschiebbaren Anschaffungen für mei-
ne Wohnung. Aber, obwohl ich hoffe, dass sich die UE bis dahin eines
Besseren besinnen wird; und obwohl ich versichern kann, dass dieser
Versuch, mich in die Knie zu zwingen, fehlschlagen wird, so kann ich
Ihnen doch schon jetzt sagen, dass ich im Herbst unbedingt eine
Regelung dieser Frage anstreben werde, über deren Ausgang kein
Zweifel denkbar ist. Es täte mir leid, und ich bin gewiss bis zum Äu-
ssersten entgegengekommen: aber wenns sein muss, solls an mir nicht
fehlen!
Ich werde in den nächsten Tagen verreisen, mich endlich ein
bischen zu erholen.
bischen zu erholen.
Heute empfehle ich mich mit besten Grüssen,
ergebenst
ergebenst
Fünftel des Betrages der mir anderweitig angeboten
war
In Universal-Edition an Arnold Schönberg, 16.
Juli 1929 hatte Hertzka
zuletzt eine Summe von 10.000 Reichsmark für die Rechte an Von heute auf morgen op. 32 angeboten. Von
einem fünfmal so hohen Angebot ist nichts bekannt, allerdings wird in
Arnold Schönberg an Josef Rufer, 28. Dezember 1928 (ASCC
1632), ein Wunschbetrag von 50.000 Reichsmark
genannt.
Sperre meines Kontos
Diese Sperre war laut Arnold Schönberg an Gertrude
Greissle, 2. September 1929 (ASCC
1747), bereits seit Jänner 1929 in
Kraft.
12.VIII.1929
An die Universal Edition
Wien, Herrn Direktor Emil Herzka,
Lieber Herr Direktor,
wegen angestrengtester Arbeit bin ich bis heute nicht dazu gelangt, Ihren
Brief vom 15.
Juli zu beantworten. Ich benütze die erste freie Stunde hiezu.
Der von Ihnen und Herrn Stein unterzeichnete Brief der
Orchesterabteilung erbringt den Beweis, dass eine noch so angestrengte
Propagandatätigkeit für meine Werke
erfolglos bleiben muss, weil die UE, die
den Markt seit Jahren mit leichter Ware überschwemmt, eben mit diesen Werken, welche leicht
aufzuführen sind, meinen Werken eine Konkurrenz macht, gegen die sie
nicht aufkommen können. Wenn nun die UE von
den Erträgnissen meiner Werke unbefriedigt ist, so bin ich es selbstverständlich noch viel
mehr, kann aber die Tatsache nicht unerwähnt lassen, dass nicht alle Autoren der UE grössere Erträgnisse
einbringen und andererseits die
UE wohl die Erfahrung gemacht hat, dass alle
meine Werke schliesslich in Gang kommen, ein Risiko sich also lohnt. Wenn nun aber
die
UE, wie sie selbst es mir vielemale gesagt haben,
nicht in der Lage ist, mir für meine Werke ein, der Herstellungsmühe und
dem Einsatz an Lebenskraft entsprechendes Erträgnis zu sichern oder ein dementsprechendes
Honorar zu zahlen, wenn, wie Sie selbst sagen nur ein Mäcen mich annähernd
so stellen kann, wie es mir gebührt (oder wie ich mir erlauben möchte zu
bemerken: ein Verleger, der sich nicht auf zu vielen Seiten gebunden hat)
warum, frage ich, warum, will mich dann die UE zwingen, ihr meine Werke (von deren Unrentabilität
sie überzeugt ist), zum Verlag zu
übergeben? Und warum darüber hinaus, wendet sie sogar durchaus unhaltbare
Repressalien an, wenn ich mich nicht bereit finde, ihr ein Werk zum Fünftel des Betrages der mir anderweitig angeboten
war1, zu überlassen.
Könnte ich selbst an den guten Willen der UE in
anderer Hinsicht bis zu einem gewissen Grad glauben, so beweist dieses
Verhalten mir: bösen Willen und Sie werden schwer
aufklä
ren können, zu welchem Zweck Sie mir meine unrentablen Werke abzwingen wollen.
Ich bin augenblicklich zu müde, um mich mit dem Streit um die Sperre meines Kontos2
zu befassen und brauche augenblicklich Geld nur zu durchaus aufschiebbaren Anschaffungen für meine Wohnung. Aber, obwohl ich hoffe, dass sich die UE bis dahin eines Besseren besinnen wird; und
obwohl ich versichern kann, dass dieser Versuch, mich in die Knie zu
zwingen, fehlschlagen wird, so kann ich Ihnen doch schon jetzt sagen, dass
ich im Herbst unbedingt eine Regelung dieser Frage anstreben werde, über
deren Ausgang kein Zweifel denkbar ist. Es täte mir leid, und ich bin
gewiss bis zum Äussersten entgegengekommen: aber wenns sein muss, solls an mir
nicht fehlen!
Ich werde in den nächsten Tagen verreisen, mich endlich ein bischen zu
erholen.
Fünftel des Betrages der mir anderweitig angeboten
war
In Universal-Edition an Arnold Schönberg, 16.
Juli 1929 hatte Hertzka
zuletzt eine Summe von 10.000 Reichsmark für die Rechte an Von heute auf morgen op. 32 angeboten. Von
einem fünfmal so hohen Angebot ist nichts bekannt, allerdings wird in
Arnold Schönberg an Josef Rufer, 28. Dezember 1928 (ASCC
1632), ein Wunschbetrag von 50.000 Reichsmark
genannt.
Sperre meines Kontos
Diese Sperre war laut Arnold Schönberg an Gertrude
Greissle, 2. September 1929 (ASCC
1747), bereits seit Jänner 1929 in
Kraft.
12. August 1929
14. August 1929
Arnold Schönberg Center
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Wien
Archiv
Universal Edition Collection
Brief
Zitierhinweis:
Arnold Schönberg an Universal-Edition, 12. August 1929, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.1579.