Erwin Stein an Arnold Schönberg
15. Juli 1932
15.VII.32
Lieber Herr Schönberg! Ich werde Ihnen morgen einen offiziellen Brief vom Verlag
aus schreiben,
möchte ihn aber im Voraus privat kommentieren. Ich war heute zur Verwaltungsratsitzung
eingeladen und habe den Leuten in längerer und wie ich glaube ganz geschickter Rede auseinander-
gesetzt, wer Sie sind, so daß jeder sich genieren hätte müssen, wenn er dies nicht ohnedies gewußt
hätte. Ich habe auch, nicht ohne Pathos, auf die musikhistorische Situation gewiesen, in der sich
der Verwaltungsrat befinde. Man ist also zu weiterem Entgegenkommen bereit, meinte aber, daß die
Angelegenheit zu kompliziert sei, namentlich die vertragliche Seite, als daß sie schriftlich erledigt
werden könne. Die völlige Streichung des Betrages auf Konto „alte Werke“ wird nichtkaum durchzu-
setzen sein, aber, ich glaube die Streichung eines Teilbetrages, vielleicht mehr als man im alten
Anbot auf Konto „neue Werke“ streichen wollte. Auch über „Von heute auf morgen“ wurde viel
gesprochen. Ich sagte, daß die U.E. für viele der besten Musiker vor allem als der Verlag Schönbergs
seinen Ruf habe. Auch Ihr Vorwurf „amusisch“ scheint gewirkt zu haben. Aber es will ihnen
nicht in den Kopf, daß sie dafür die Prozeßkosten zahlen sollen. Zum Schluß wurde ich
offiziell ersucht, weiter zu vermitteln. Man meinte (der Vertreter der Länderbank), daß sie doch
bald einmal nach Wien kommen würden und ich solle Sie bitten dann könne ja mündlich
verhandelt werden. Ich erwiderte, daß Sie in den letzten Jahren nur selten und ungern nach Wien
gekommen seien. Die andere Möglichkeit, daß ein Vertreter der U.E. nach Berlin kommt wurde
auch erörtert, das könnte aber erst Ende August oder im September sein. Die Sache läuft
aber wie ich vermutet hatte auf eine Vertagung hinaus. Ich glaube aber, daß die U.E. jetzt schon
eine Barzahlung leisten würde, die ev. die $ 480.–, wenn nochmal von Ihrer und Seite die
Absicht zu einer gütlichen Regelung zu gelangen dezidiert erklärt würde. Natürlich müßte der
Verlag Ihnen eine analoge Erklärung abgeben. Vielleicht finden Sie da eine Formel, die Ihnen
genehm wäre. Diese Anregung ist nicht offiziell und geht nur von mir aus.
möchte ihn aber im Voraus privat kommentieren. Ich war heute zur Verwaltungsratsitzung
eingeladen und habe den Leuten in längerer und wie ich glaube ganz geschickter Rede auseinander-
gesetzt, wer Sie sind, so daß jeder sich genieren hätte müssen, wenn er dies nicht ohnedies gewußt
hätte. Ich habe auch, nicht ohne Pathos, auf die musikhistorische Situation gewiesen, in der sich
der Verwaltungsrat befinde. Man ist also zu weiterem Entgegenkommen bereit, meinte aber, daß die
Angelegenheit zu kompliziert sei, namentlich die vertragliche Seite, als daß sie schriftlich erledigt
werden könne. Die völlige Streichung des Betrages auf Konto „alte Werke“ wird nichtkaum durchzu-
setzen sein, aber, ich glaube die Streichung eines Teilbetrages, vielleicht mehr als man im alten
Anbot auf Konto „neue Werke“ streichen wollte. Auch über „Von heute auf morgen“ wurde viel
gesprochen. Ich sagte, daß die U.E. für viele der besten Musiker vor allem als der Verlag Schönbergs
seinen Ruf habe. Auch Ihr Vorwurf „amusisch“ scheint gewirkt zu haben. Aber es will ihnen
nicht in den Kopf, daß sie dafür die Prozeßkosten zahlen sollen. Zum Schluß wurde ich
offiziell ersucht, weiter zu vermitteln. Man meinte (der Vertreter der Länderbank), daß sie doch
bald einmal nach Wien kommen würden und ich solle Sie bitten dann könne ja mündlich
verhandelt werden. Ich erwiderte, daß Sie in den letzten Jahren nur selten und ungern nach Wien
gekommen seien. Die andere Möglichkeit, daß ein Vertreter der U.E. nach Berlin kommt wurde
auch erörtert, das könnte aber erst Ende August oder im September sein. Die Sache läuft
aber wie ich vermutet hatte auf eine Vertagung hinaus. Ich glaube aber, daß die U.E. jetzt schon
eine Barzahlung leisten würde, die ev. die $ 480.–, wenn nochmal von Ihrer und Seite die
Absicht zu einer gütlichen Regelung zu gelangen dezidiert erklärt würde. Natürlich müßte der
Verlag Ihnen eine analoge Erklärung abgeben. Vielleicht finden Sie da eine Formel, die Ihnen
genehm wäre. Diese Anregung ist nicht offiziell und geht nur von mir aus.
15.VII.32
Lieber Herr Schönberg! Ich werde Ihnen morgen einen offiziellen Brief vom Verlag
aus schreiben, möchte ihn aber im Voraus privat kommentieren. Ich war heute
zur Verwaltungsratsitzung eingeladen und habe den Leuten in längerer und
wie ich glaube ganz geschickter Rede auseinandergesetzt, wer Sie sind, so daß jeder sich genieren hätte müssen,
wenn er dies nicht ohnedies gewußt hätte. Ich habe auch, nicht ohne Pathos,
auf die musikhistorische Situation gewiesen, in der sich der Verwaltungsrat
befinde. Man ist also zu weiterem Entgegenkommen bereit, meinte aber, daß die
Angelegenheit zu kompliziert sei, namentlich die vertragliche Seite, als
daß sie schriftlich erledigt werden könne. Die völlige Streichung des
Betrages auf Konto „alte Werke“ wird kaum durchzusetzen sein, aber, ich glaube die Streichung eines Teilbetrages,
vielleicht mehr als man im alten Anbot auf Konto „neue Werke“ streichen
wollte. Auch über „Von heute auf morgen“ wurde
viel gesprochen. Ich sagte, daß die U.E. für
viele der besten Musiker vor allem als der Verlag Schönbergs
seinen Ruf habe. Auch Ihr Vorwurf „amusisch“ scheint gewirkt zu haben. Aber
es will ihnen nicht in den Kopf, daß sie dafür die Prozeßkosten zahlen
sollen. Zum Schluß wurde ich offiziell ersucht, weiter zu vermitteln. Man
meinte (der Vertreter der Länderbank), daß sie
doch bald einmal nach Wien kommen
würden und dann könne ja mündlich
verhandelt werden. Ich erwiderte, daß Sie in den letzten Jahren nur selten
und ungern nach Wien
gekommen seien. Die andere Möglichkeit, daß ein Vertreter der U.E. nach Berlin kommt wurde auch erörtert, das könnte aber erst
Ende August oder im September sein. Die Sache läuft aber wie ich vermutet hatte auf
eine Vertagung hinaus. Ich glaube aber, daß die U.E. jetzt schon eine Barzahlung leisten würde, ev. die $ 480.–, wenn von Ihrer Seite die
Absicht zu einer gütlichen Regelung zu gelangen dezidiert erklärt würde.
Natürlich müßte der Verlag Ihnen eine analoge Erklärung abgeben. Vielleicht
finden Sie da eine Formel, die Ihnen genehm wäre. Diese Anregung ist nicht
offiziell und geht nur von mir aus.
15. Juli 1932
The Library of Congress
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Washington, D.C.
Music Division
Arnold Schoenberg Collection
Brief
Zitierhinweis:
Erwin Stein an Arnold Schönberg, 15. Juli 1932, in: Arnold Schönberg: Briefwechsel mit den Verlagen Universal-Edition und Dreililien. Hrsg. von Katharina Bleier und Therese Muxeneder unter Mitarbeit von Jannik Franz und Philipp Kehrer, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Arnold Schönberg Center, Wien. Version 2.5 vom 26.05.2026. URL: https://www.schoenberg-ue.at/ue/letters/letter.16827.